Donnerstag, 23.07.2009 | 15:48
Von Budapest nach Valencia
Die Formel-1-Logistik läuft rund um die Uhr, das gesamte Jahr lang und selbst während der Sommerpause weiter.
Von der Papierform her ist der Große Preis von Ungarn auf dem Hungaroring vor den Toren Budapests ein typischer Europa Grand Prix. Die Teams reisen mit ihren Trucks und Motorhomes aus ihren Fabriken an und verlassen die Strecke nach dem Rennwochenende auf dem gleichen Weg wieder in Richtung Heimat. Keine Überseeflüge, keine Seereisen, kein zusätzlicher Stress durch Back-to-Back-Rennen.
Trotzdem ist der Ungarn GP 2009 etwas ganz Besonderes: Es ist das letzte Rennen vor der ersten offiziellen Formel-1-Sommerpause. Klar, Sommerpausen gab es in den letzten Jahren schon mehrfach im August, aber diesmal werden nicht nur keine Rennen bestritten, sondern auch die Teamfabriken in England, Italien, Deutschland und rund um die Welt geschlossen.
Die FOTA-Kostensenkungsmaßnahmen sehen vom 3. bis 16. August eine komplette Stilllegung der Formel-1-Standorte vor. Die Tore werden geschlossen, die Maschinen ausgeschaltet, die Windkanäle abgedreht, die Supercomputer heruntergefahren und bis auf das Sicherheitspersonal und die Instandhaltung jeder in Zwangsurlaub geschickt - vom Teamchef bis zum Mechaniker, vom Ingenieur bis zum Truckfahrer. Noch nicht einmal ihre Emails dürfen die Techniker in dieser Zeit von zu Hause beantworten. Technik, Weiterentwicklung und Herstellung stehen still.
Umso schneller müssen die Rennställe am Sonntag nach dem Rennen alle ihre Habseligkeiten aus Ungarn zurück in die Fabrik bringen - denn wer zu spät kommt, kann seine Fracht in Form von Rennautos, Werkzeugen und Ersatzteilen vielleicht nicht mehr abgeben, da das Personal bereits im Sommerurlaub weilt.
Am 17. August geht dann alles wieder von vorne los, denn schon am Wochenende darauf müssen die Autos, Motorhomes und sämtliches Material in Valencia sein, um den Schlussspurt der Formel-1-Saison einzuläuten. Dann bricht in den Workshops der zehn F1-Teams wieder Hektik aus.
Die Bestände werden überprüft, Transportlisten erstellt, erste Kisten verpackt und letzte Änderungen durchgeführt. Egal ob Motoren, Schraubenschlüssel oder 200 Teamhemden und Hosen - die gesamte Ausrüstung muss versandfertig gemacht und rechzeitig auf den Weg zum Europa GP gebracht werden. Insgesamt werden rund 120 Kisten gepackt - an die Sommerpause denkt dann niemand mehr.

