Dienstag, 02.02.2010 | 16:22
Die neuen Formel-1-Boliden 2010
Der erste Formel-1-Test des Jahres hat begonnen. Sieben der dreizehn Teams haben ihre neuen Autos vorgestellt. Speed-Academy.de nimmt sie unter die Lupe.
Ferrari F10
Ferrari lüftete als erstes Team den Schleier über dem neuen Boliden für 2010. Einen Vorteil hatten die Italiener dadurch aber nicht: Das geplante Rollout in Fiorano fiel gleich zweimal dem schlechten Wetter zum Opfer. So kam Felipe Massa erst am Montag in Valencia zum Fahren - wie alle anderen auch.
"Dieses Jahr wird für uns sehr wichtig", betonte Teamchef Stefano Domenicali bei der Enthüllung des roten Renners, dessen optisch auffälligste Änderung eine spitz zu laufende Nase und die weißen Flächen des neuen Hauptsponsors sind. "Die letzte WM ist aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich für uns gelaufen." 2009 gewann Ferrari nur ein einziges Rennen mit Kimi Räikkönen in Belgien. "Dieses Jahr muss ein Wendepunkt für uns werden."
Der F10 ist der 50. Formel-1-Wagen von Ferrari, der in der Weltmeisterschaft eingesetzt wird. Die intensive Arbeit daran begann bereits im März 2009 und wurde im Sommer noch verstärkt, als die strategische Entscheidung getroffen wurde, den F60 nicht weiter zu entwickeln. "Wir haben bei Null begonnen und das Konzept völlig neu integriert", erklärte Technikchef Aldo Costa. Im letzten Jahr musste man den wichtigen Doppeldiffusor nachträglich einbauen, was viele Probleme mit sich brachte. "Es war nicht richtig möglich, weil das Auto schon fertig entworfen war."
McLaren Mercedes MP4-25
Die Technikerriege stand beim Design des neuen Autos gleich aus zwei Gründen besonders unter Druck: Zum einen soll der schwache Saisonstart 2009 endgültig vergessen gemacht werden, zum anderen hat man mit Jenson Button und Lewis Hamilton die beiden Champions von 2008 und 2009 im Team. "Es ist für das technische Team eine große Herausforderung, wenn man zwei Weltmeister im Auto hat", sagte Paddy Lowe. "Der Druck ist groß, ihnen das richtige Equipment zu geben. Wir haben diese Aufgabe sehr ernst genommen."
Das Team habe alles gegeben, um den Abtrieb und die aerodynamische Effizienz zu verbessern, die beim MP4-24 nicht gut genug waren. "Leider haben wir nicht so viele Testtage wie sonst, um uns an den größeren Tank und die neuen Reifen zu gewöhnen", betonte Hamilton. "Deshalb müssen wir das Maximum aus jedem Testtag herausholen." Sein Ziel ist klar: "Natürlich will ich die Fahrer-WM gewinnen, aber genauso wichtig ist es, dem Team dabei zu helfen die Konstrukteurs-WM zu holen. Es wird ein großartiges Formel-1-Jahr."
BMW Sauber C29
Am Sonntagnachmittag enthüllte das Schweizer Sauber Team sein neues F1-Auto für die Saison 2010. Der schwarz-weiß lackierte Bolide weist außer Bridgestone und Certina noch keine Sponsorenlogos auf und ist auf der Fahrzeugnase mit dem bekannten Design des Vorgängerteams BMW Sauber versehen - nur mit schwarz-rot-weiß statt blau-weiß-rot. Am Heck des von einem Ferrari-Motor angetriebenen Autos besitzt der C29 eine ähnliche Haiflosse wie der neue McLaren. Die Nase ist relativ flach und hoch.
"Bei der Entwicklung des BMW Sauber C29 konnten wir einerseits aufbauen auf den Erfahrungen des Vorjahres und der positiven Entwicklung im letzten Saisondrittel", erklärt Technikchef Willy Rampf. "Andererseits forderten das im Reglement verankerte Nachtankverbot und die reduzierte Reifenbreite an der Vorderachse massive Neuerungen."
Aufgrund der länger bauenden Kraftstoffzelle wuchs die gesamte Wagenlänge. Die schmaleren und somit stärker strapazierten Vorderreifen verlangen zusätzlich eine Verlagerung des Gewichts nach hinten. Auffällig filigran und hoch angesetzt ist die Fahrzeugnase des C29. Ebenfalls gut erkennbar ist ein sehr langer Unterschnitt beim Übergang vom Chassis in den Unterboden. Diese und weitere aerodynamische Maßnahmen dienen auch der optimalen Anströmung des Doppel-Diffusors. Weitere Veränderungen verlangten die Integration des Ferrari-Motors und vor allem des Ferrari-Getriebes als tragendes Bauteil.
Renault R30
Renault steht 2010 vor einem Neubeginn. Zwei neue Fahrer, ein neuer Teamchef und neue Teamfarben. Bei der Präsentation des neuen R30 enthüllten die beiden neuen Einsatzpiloten Robert Kubica und Vitaly Petrov die gelb-schwarze Lackierung des neuen Autos, die an die traditionellen Renault-Farben erinnert, die der französische Hersteller bereits Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre einsetzte.
"Wir haben mit Vollgas daran gearbeitet, dass wir die neue Saison in der bestmöglichen Verfassung beginnen", sagte Teamchef Eric Boullier. "Der R30 sollte ein konkurrenzfähiges, starkes und zuverlässiges Auto sein und wir haben uns für eine aggressive Entwicklungsstrategie während der Saison entschieden." Wie bei den anderen Teams wird also bis Bahrain noch viel passieren, angeblich will Renault den echten R30 sogar erst beim Rennen in Kanada im Juni fertig haben. Das Auto dürfte also vor allem auf Flexibilität ausgerichtet sein. Also erst Testen, schauen was die Konkurrenz macht und offene Fragen zum neuen Reglement - Tankverbot, schmalere Vorderreifen - beantworten, dann das Auto passend darauf anpassen.
Mercedes GP MGP W01
Als eines von drei Teams stellte das neue Mercedes-Werksteam am Montag vor Testbeginn seinen neuen Boliden für die Saison 2010 vor. Bereits eine Woche vorher wurde in Stuttgart die Lackierung des neuen Silberpfeils von Michael Schumacher und Nico Rosberg präsentiert. In Valencia folgte der MGP W01 - der Wagen 01, in Anlehnung an die ruhmreichen Silberpfeile der Vergangenheit.
Am Ende des Testtages wies der Zeitenmonitor für Schumacher 40 absolvierte Runden und in 1:12.947 Minuten die drittbeste Gesamtzeit aus. "Das war ein super-Rollout heute, alles lief sehr gut, und ich habe mich im Auto auf Anhieb wieder wohl und normal gefühlt", sagte Schumacher. "Nach den drei Jahren Pause war es heute ein bisschen so wie damals 1991, als ich in die Formel 1 gekommen bin: in der ersten Runde dachte ich, uups, ist das schnell, und dann in der zweiten Runde war es schon perfekt."
Toro Rosso STR5
Der neue Toro Rosso ähnelt seinem Vorgänger, dem STR4 respektive dem RB5 sehr. Dabei ist er das erste Auto, das Toro Rosso komplett in Eigenregie baute und entwickelte. "2010 ist ein Meilenstein für Toro Rosso, da die neuen Regeln verlangen, dass wir das Design und die Konstruktion des Autos in-house regeln", sagte Teamchef Franz Tost.
Eine große Herausforderung für Chefdesigner Ben Butler. "Der STR ist mehr eine Evolution als eine Revolution. Wir hatten mit dem 2009-Modell ein fantastisches Paket als Ausgangsmodell und wir wollten nicht zuviel ändern, abgesehen von den Änderungen in Hinblick auf das neue Reglement", verriet Butler. Toro Rosso ging beim Design des STR5 einen konservativen Weg und hofft damit auf der sicheren Seite zu stehen.
Williams FW32
Der FW32 erlebte schon in der Woche vor dem Testdebüt seine erste Ausfahrt auf einer gekürzten Streckenvariante in Silverstone. Entsprechend lief beim echten ersten Test alles glatt. Was den Cosworth-Motor betraf, so fuhr Barrichello damit noch nicht am Limit, da es der erste Test für das Aggregat auf der Strecke war. "Wir fahren also nicht mit voller Kraft, da kann noch viel rausgeholt werden. Ich bleibe also offen und behalte die Füße auf dem Boden. Vom Auto und vom Motor kann noch viel kommen."
Prognosen wollte er aber wie seine Kollegen keine abgeben, er meinte nur, wenn das Auto gut sein könne, dann werde er auch gut sein. "Sollte das Auto regelmäßig Positionen einfahren und sich verbessern, dann werde ich das auch so machen. Und meine Erfahrung wird zählen - ich werde so viel Feedback geben wie möglich, damit wir Sieger werden. Ob das der Fall sein wird, müssen wir erst abwarten, es ist zu schwer vorhersagbar."

