Jenson Button hätte 2009 auch mit dem neuen System den Titel gewonnen.

Formel 1 // Jenson Button hätte 2009 auch mit dem neuen System den Titel gewonnen.

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Dienstag, 02.03.2010 | 10:20

Das neue Punktesystem im Check

Vor einem Jahr waren es Medaillen für die Sieger, jetzt sind es Punkte für die ersten Zehn. Speed-Academy.de untersucht das neue Punktesystem der Formel 1.

Wenn am 14. März der erste Sieger der Formel-1-Saison 2010 gekürt wird, erhält er nicht die gewohnten zehn Punkte für seinen Triumph. Ab dieser Saison sammelt der Gewinner eines Grand Prix ganze 25 Punkte. Auch dahinter gibt es mehr Zähler für gute Platzierungen. Die ersten Zehn erhalten Punkte nach dem Schema: 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1. Damit wird das bisherige Punktesystem (10-8-6-5-4-3-2-1) abgelöst.

Pro & Contra: Neues Punktesystem

Die Meinungen zum neuen Punktesystem schwanken. "Ich finde es gut", sagte uns der Force India Pilot und ehemalige Speed Academy Kandidat Adrian Sutil. "In den letzten Jahren wurde der Sieger nicht für den Sieg belohnt. Ein ständiger Zweiter konnte am Ende durchaus Weltmeister werden." Mit dem neuen Punktesystem sei das nicht mehr möglich. "Man muss auf Sieg fahren. Das sollte ein bisschen mehr Spannung bringen. Außerdem werden die ersten Zehn mit Punkten belohnt. Das ist für ein Mittelfeldteam wie uns sehr interessant."

Aber nicht nur Mittelfeldteams freuen sich auf mehr Punkte. "Fünf Punkte mehr für den Sieg sind wichtig", sagt Weltmeister Jenson Button. "Wir alle lieben es, Rennen zu gewinnen, aber ich habe sechs Siege geholt und jeweils nur zwei Punkte mehr gehabt als der Zweite." Mit einem größeren Punkteabstand zwischen dem Sieger und dem Zweiten werden Siege mehr belohnt und die Fahrer mehr zum Überholen angetrieben.

Es gibt aber auch Gegenstimmen. Gerhard Berger hält das neue Punktesystem für einen Blödsinn. Der Österreicher hätte es lieber gesehen, wenn es einen Zusatzpunkt für die Pole Position gegeben hätte. Auch Pedro de la Rosa kauft die Argumente pro Punktesystem nicht ab. "Das wird gar nichts ändern, denn die Piloten wollen sowieso immer gewinnen", sagte der Spanier.

"Sie waren beim neuen Punktesystem sehr clever", meint F1-Boss Bernie Ecclestone. "Denn es macht überhaupt keinen Unterschied." Die prozentualen Abstände sind immer noch dieselben, es gibt nur für die ersten Zehn Punkte. "Meine Idee war es, einen größeren Abstand zwischen dem Ersten und Zweiten zu haben, vielleicht auch zwischen Platz 3 und 4. Ich wollte den Leuten einen Anreiz geben, zu überholen. Sie sollen nicht nur da sitzen und Punkte holen."

Die Statistikfreunde im Fahrerlager sind hingegen enttäuscht. "Es ist schade, denn so werden die ganzen Statistiken verfälscht", sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Am System an sich hat Fernando Alonso nichts auszusetzen, aber er sei ebenfalls etwas traditioneller veranlagt. "Es verdirbt die Statistik. Ich bin glaube ich momentan Vierter in der Punktestatistik. Das ist nun unwichtig, denn in zwei Jahren wird ein junger Fahrer mehr Punkte haben als ich, Senna, Schumacher oder Prost haben. Das ist schade." Andererseits verbessere es die Show.

Eddie Irvine geht härter ins Gericht: "Sie haben die Geschichte des Sports weggenommen", klagte er. "Er hatte eine tolle Geschichte, man hatte Statistiken, durch die Fahrer sagen konnten: 'Ich habe so viele Punkte, ich habe Punkte in meinem ersten Rennen geholt, ich kann mich mit den Leuten in den 70ern und 80ern vergleichen.'"

Was hätte das neue System verändert?

Was wäre, wenn das neue Punktesystem schon immer in der Formel-1-Weltmeisterschaft angewendet worden wäre? Ganz einfach: Alain Prost wäre der Rekordchampion, Michael Schumacher hätte nur sechs und James Hunt gar keinen Titel.

Die erste Veränderung an einem WM-Ausgang hätte es 1999 gegeben. Statt Mika Häkkinen hätte Eddie Irvine den Titel gewonnen und wäre damit anstelle von Schumacher der erste Ferrari-Weltmeister seit 20 Jahren geworden. Auch 1994 hätte es Schumacher erwischt: Damon Hill hätte ihm nach dem Zusammenstoß von Adelaide den Titel weggeschnappt.

Gleich drei Mal betroffen wäre Alain Prost. Der Franzose hätte nach dem neuen Punktesystem 1983, 1984 und 1988 den WM-Titel gewonnen und wäre damit siebenfacher Champion. Ayrton Senna, Niki Lauda und Nelson Piquet hätten hingegen je einen Titel weniger. Lauda wäre dennoch dreifacher Champion: Er hätte 1976 James Hunt den Titel weggeschnappt - trotz des legendären Regenrennens von Fuji.

Noch drei weitere Saisons hätten mit dem neuen Punktesystem einen anderen Ausgang gehabt: 1981 wäre Carlos Reutemann anstelle von Nelson Piquet Weltmeister geworden, 1964 und 1965 hätte Graham Hill den größten WM-Pokal von John Surtees und Jim Clark erhalten.

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