6 Fakten zur Ferrari-Stallregie

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Dienstag, 27.07.2010 | 14:00

6 Fakten zur Ferrari-Stallregie

Ferrari hat beim Deutschland GP unerlaubt Stallregie angewendet. Speed-Academy.de erklärt das Problem und die Folgen.

1. Was ist passiert?

Felipe Massas Ferrari-Renningenieur Rob Smedley funkte in Runde 48 an seinen Schützling: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?" In Runde 49 ließ Massa Alonso ohne Gegenwehr vorbei. Smedley bedankte sich per Funk: "Guter Junge - und sorry."

"Stallregie, welche das Rennergebnis beeinflusst, ist verboten." Das besagt Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements der FIA. Eingeführt wurde dieser Paragraf, nachdem Ferrari zwei Jahre hintereinander 2001 und 2002 beim Österreich GP in Spielberg mit Stallregie des Rennergebnis manipulierte - 2002 funkte Jean Todt legendär an Rubens Barrichello: "Let Michael pass for the championship."

2. Wie lautet die Strafe?

Mit langen Gesichtern kamen Fernando Alonso, Felipe Massa und die Ferrari-Teamführung nach der Anhörung bei den Stewards aus dem Rennleitungsturm. Nachdem Felipe Massa im Deutschland GP von Ferrari per Funk angewiesen wurde, Fernando Alonso passieren zu lassen, erhielt der Rennstall eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Dollar.

Die Rennkommissare stellten einen Verstoß gegen Artikel 39.1 des Sportlichen Reglements und des Artikels 151c des International Sporting Code fest. Letzterer verbietet sportschädigendes Verhalten. Ferrari muss deshalb die Geldstrafe bezahlen. Gleichzeitig wurde der Fall von den Rennkommissaren an den FIA World Motor Sport Council verwiesen, der eine weitere Bestrafung bis zur Disqualifikation oder WM-Ausschluss festlegen könnte. McLaren musste in der Spionage-Affäre 100 Millionnen Dollar Strafe zahlen.

3. Wer entscheidet jetzt?

Der WMSC ist für alle Aspekte des internationalen Motorsports verantwortlich und trifft sich mindestens vier Mal im Jahr, um über Regeln, Sicherheitsbestimmungen und die Entwicklung des Rennsports zu entscheiden. Die nächste planmäßige Sitzung findet am 10. September statt. Der Weltrat setzt sich zusammen aus dem FIA-Präsidenten Jean Todt, dessen Stellvertreter für Sport, den sieben Vizepräsidenten und 17 Mitgliedern, die einer nationalen Sporthoheit angehören müssen, die mindestens ein Event im internationalen Rennkalender ausrichtet. Zu den insgesamt 27 Mitgliedern gehören auch Bernie Ecclestone und der Präsident der Herstellerkommission respektive ein Vertreter von Ferrari. Todt könnte als ehemaliger Ferrari-Teamchef und Vater von Massas Manager Nicolas Todt auf den Vorsitz verzichten.

4. Wie verteidigt sich Ferrari?

Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo lässt der Wirbel kalt. "Die Polemik interessiert mich nicht", teilte er auf der Ferrari-Website mit. "Ich bestätige nur, was ich immer gesagt habe, nämlich, dass unsere Fahrer sehr genau wissen, dass wer für Ferrari fährt, zuerst die Interessen des Teams zu beachten hat, vor den eigenen und daran müssen sie sich halten."

Dabei beruft sich di Montezemolo darauf, dass es Stallregie seit den Tagen von Tazio Nuvolari und Niki Lauda gegeben habe. "Also genug der Heuchelei, obwohl ich glaube, dass einige Leute es gerne gesehen hätten, wenn sich unsere Fahrer gegenseitig eliminiert hätten."

Teamchef Stefano Domenicali sah keine Stallregie, sondern nur eine Entscheidung Massas aus freien Stücken. "Was wir ihm [Massa] gesagt haben, war eine Information über die Situation dahinter", so Domenicali. "Fernando konnte ihn einholen und dann die Führung übernehmen, als sein Teamkollege entschloss, dass es das Beste sei, kein Risiko einzugehen, da Vettel direkt hinter ihnen lag."

Massa selbst sagte: "Meiner Meinung nach war es keine Stallregie. Mein Ingenieur hat mich stetig darüber informiert, was hinter mir los war, besonders als ich etwas Probleme auf den harten Reifen hatte. Also entschied ich, das Beste für das Team zu machen - und ein Doppelsieg ist das bestmögliche Ergebnis, nicht wahr?"

5. Was sagt die Konkurrenz?

Red Bull Teamchef Christian Horner konnte es nicht glauben: "Das war der klarste Fall von Teamorder, den ich je gesehen habe." Ferrari habe Massa den Sieg weggenommen. "Wir lassen unsere Piloten fahren. Massa befindet sich immer noch im WM-Kampf, aber vielleicht hat er einen Vertrag unterschrieben, wo er als klarer Nummer-2-Faher aufgeführt ist. Aber das ist falsch für den Sport." Horner rechnet mit weiteren Sanktionen. "Die Sportkommissare überweisen diese ganze Angelegenheit ja nicht umsonst an das World Motorsport Council. Warten wir doch mal ab, was da noch rauskommt..."

Der langjährige Ferrari-Pilot Michael Schumacher fand das Vorgehen der Scuderia normal. "Ich kann das Vorgehen zu 100 Prozent nachvollziehen und ich habe auch in der Vergangenheit Mühe gehabt, Verständnis dafür aufzubringen, dass man sich von außen darüber pikiert hat", sagte Schumacher. "Wenn man am Ende des Jahres die WM wegen des einen oder anderen Punktes verliert, den man hier hätte holen können, dann wird man sich fragen, war das richtig und auch die Außenwelt wird sich fragen, war das richtig."

6. Was sagen Die Experten?

Christian Danner geht mit Ferrari hart ins Gericht: "Die einzige Sache, die da passt, ist Wertungsausschluss." In Artikel 39.1 stehe genau drin, dass ein Team das Ergebnis nicht beeinflussen dürfe. "Es war Dummheit. Es kann nur eine klassische bei Ferrari gewachsene Selbstüberschätzung sein, die in den Schumacher-Jahren auch gnadenlos zu dieser Taktik geführt hat."

Auch Schumacher bekam sein Fett weg: "Der Schumacher hat sich hier auch hingestellt und ein glühendes Plädoyer für Teamorder gehalten. Damit hat sich der Schumacher schon sehr abqualifiziert, das macht man nicht."

Marc Surer fällt es hingegen schwer, ein Strafmaß zu finden. "Ich möchte auch nicht das Rennen verändert haben. Man muss eine Strafe aussprechen, dass im Wiederholungsfall dann vielleicht härter durchgegriffen wird." Das wäre für ihn die beste Lösung. Als Auslöser sieht Surer die Angst der Scuderia vor Alonso. "Der diktiert das Team. Das hat er schon früher bei Renault gemacht." Alonso sei ein starker Charakter. "Er hat bisher Erfolg gehabt mit dieser Methode."

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