Dienstag, 07.09.2010 | 15:30
Kamui Kobayashi - Japans neuer Volksheld
Japan hat einen neuen Hoffnungsträger in der Formel 1. Kamui Kobayashi - ein Name, den man sich merken sollte.
Viele Japaner verewigten sich in der lange Liste der Formel 1 Piloten - die einen positiv, die anderen negativ. Die Mehrzahl machte eher mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Entweder waren sie mehr neben als auf der Strecke oder in Kollisionen verwickelt. Bestes Beispiel hierfür ist Takuma Sato. Bei ihm kam anstelle seines Talents sein aggressives Fahrverhalten zum Vorschein.
Gleich in seiner ersten Formel-1-Saison drückte man ihm den unliebsamen Spitznamen "Crash-Kid" auf. Unvergessen bleibt seine Aktion in der Saison 2005, als er beim Großen Preis von Japan 2005 wegen seines Verhaltens und der von ihm verschuldeten Kollision mit Jarno Trulli disqualifiziert wurde. Trotz allem bleibt Sato noch bis heute Japans Volksheld. Mit insgesamt 44 WM-Punkten ist er bisher der erfolgreichste Japaner in der Formel-1-Geschichte.
Die neue japanische Hoffnung
Doch es gibt einen neuen Stern, der auf dem besten Weg ist, Sato von der Spitze zu verdrängen. Kamui Kobayashi ist der japanische Hoffnungsträger. Der 20-Jährige bringt genau die Fähigkeiten mit, die man bei seinen Vorgängern vergeblich suchte. Nicht nur sein fahrerisches Talent, sondern gerade sein strategisches Fahren unterscheidet den 23-Jährigen von seinen Vorgängern. Bei Toyota gab er 2009 sein Formel-1-Debüt. Diese Saison startet er für Sauber und hat gleichzeitig seinen Chef Peter Sauber als größten Fan.
Wie üblich begann auch seine Motorsportkarriere im Kartsport. Der damals neun Jahre alte Kobayashi sammelte in verschiedenen japanischen Kartserien Erfahrung, bevor er dann im Jahre 2001 in die Esso Formula Toyota Racing School wechselte. Mit dem Vize-Titel der japanischen Formel Toyota legte er damals den Grundstein seiner zukünftigen Karriere.
Danach wurde Kobayashi 2004 in das Förderprogramm von Toyota aufgenommen. Er zog noch im gleichen Jahr nach Paris, um am Formel Renault Eurocup und der italienischen Meisterschaft teilzunehmen. "Ich bekam ein Apartment und viel Hilfestellung von Toyota", erinnert er sich dankbar." Im darauffolgenden Jahr bedankte er sich in dem er beide Meistertitel holte - das schaffte vor ihm kein anderer Fahrer.
In der hart umkämpften Formel-3-Euroserie gelang ihm 2006, neben dem sechsten Platz in der Gesamtwertung, der Rookie-Titel. Als Belohnung dafür erhielte der damals 20-Jährige einen Drei-Tages-Test beim Toyota F1-Team. Ein weiterer Schritt in Richtung Formel 1 schaffte er dann im Jahr 2008 - man benannte ihn zum dritten Fahrer bei Toyota.
Debüt bei Toyota
Im Jahr 2009 ergab sich dann die Chance für den jungen Japaner - er wurde seiner Rolle als Ersatzfahrer gerecht. Beim Brasilien GP sprang er für den verunglückten Timo Glock ein, gab sich bei seinem Renn-Debüt keine Blöße. Obwohl er sieben Monate nicht in einem F1-Boliden saß, verpasste er mit Platz neun im Rennen nur knapp die Punkteränge.
Beim Saisonfinale in Abu Dhabi bewies er dank Zweikampfstärke und strategischem Fahrverständnis sein Talent und belohnte sich und das Team mit Platz sechs. Damit punktete er vor allem bei seinem jetzigen Teamchef Peter Sauber. "Das Rennen in Interlagos war eine sehr gute Leistung", attestiert er, "aber Kamuis Rennen in Abu Dhabi war brillant." Es dauerte nicht lange bis Sauber den Japaner für die Saison 2010 bestätigte.
Diese startete für den Japaner leider nicht wie erhofft. Bei den ersten vier Rennen kam Kobayashi nicht ins Ziel - bei zwei Rennen schied er aufgrund von technischen Defekten aus. Beim Großen Preis der Türkei sammelte der 23-Jährige mit Platz zehn endlich den ersten WM-Punkt. In Silverstone war er sogar kurzzeitig Dritter, wurde dann aber wegen einem späten Boxenstopp und zwei Überholmanövern gegen Ende des Rennens Sechster.
Seine bisher beste Leistung in der bisherigen Saison. Mit 21 WM-Punkten rangiert Kobayashi auf Platz 12 hinter seinem weitaus erfahrenen Teamkollegen, Pedro de la Rosa. Der Aufwärtstrend wird wohl auch bei den verbleibenden sechs Rennen weitergehen.

