Donnerstag, 09.09.2010 | 17:40
Geldstrafe für Ferrari
Das Urteil der FIA im Stallregie-Skandal von Hockenheim bewegt die Gemüter. Speed-Academy.de untersucht die Reaktionen.
Das Urteil steht fest: Nach der Stallorder am Hockenheimring, soll Ferrari lediglich eine Geldstrafe von 100.000 Dollar zahlen. Der Rennstall erhält keine weitere Strafe. Nach den beiden Stallregien von Ferrari in den Jahren 2001 und 2002 beim Österreich GP schlugen die Roten acht Jahre später erneut zu. Jean Todts legendärer Funkspruch an Rubens Barrichello "Let Michael pass for the championship" gab damals den Anlass zur Einführung des Stallregieverbots.
Nach dem Vorfall am Hockenheimring kochten erneut die Gemüter hoch und Ferrari konnte sich einer Strafe entziehen. "Nach einer eingehenden Analyse aller Berichte, Aussagen und übermittelten Dokumente, bestätigt der Weltverband die Entscheidung der Rennkommissare, wegen eines Verstoßes gegen Art. 39.1 des Sportlichen Reglements eine Strafe von $100.000 auszusprechen", heißt es in einer FIA-Stellungnahme.
Ferrari war mit der Geldstrafe einverstanden, wies aber insbesondere daraufhin, den Artikel 39.1 für die Zukunft zu überdenken. Demzufolge diskutiert man aktuell über die Gültigkeit der Stallorder-Regel und darüber, ob eine Änderung notwendig ist. Auch Bernie Ecclestone befürwortete die Entscheidung den Artikel prüfen zu lassen.
Währenddessen meldete sich FIA-Präsident Jean Todt zu Wort und sprach von mangelnden Beweisen einer tatsächlichen Stallorder. "Bevor man sagt, dass jemand schuldig ist, muss man beweisen, dass er schuldig ist", sagte Todt, der nicht an der Sitzung teilnahm. "Jeder hat bestritten, dass es Teamorder war."
Carlos Garcia, der Präsident des spanischen Motorsportverbandes, war bei der Anhörung vor dem WMSC dabei. Er belegt die Aussagen von Ferrari und dessen konstruktives Abstreiten einer Stallorder. "Das Team sagte Massa, dass er langsamer als Alonso sei, um ihn zu motivieren", sagte Gracia dem Radiosender Cadena SER. "Das hat Massa so verärgert, dass er sich dazu entschied, langsamer zu fahren. Dies führte zu der Annahme, es habe eine Stallregie gab."
Geteilte Meinung bei den Experten und Fahrern
Hermann Tomczyk war vor seiner Amtszeit als DMSB Präsident, zwölf Jahre Mitglied beim WMSC und kann die durchaus milde Bestrafung nicht nachvollziehen. "Aus meiner Sicht kann es nicht sein, dass bei einem so eindeutigen Regelverstoß eine so relativ geringe Bestrafung erfolgt", sagt Tomczyk. "Es kann nicht sein, dass man sich mit 100.000 Dollar Strafe auch in der Zukunft WM-Punkte oder WM-Vorteile sozusagen erkaufen kann, obwohl man eindeutig gegen bestehende Regeln verstößt."
Bereits am Wochenende geht die Formel 1 in Monza aus sportlicher Sicht in die nächste Runde. Bei der heutigen Pressekonferenz waren der Trubel rund um Ferrari und die Teamorder-Regel die Topthemen. "Das Wichtigste ist, dass wir eine Klarstellung der Regeln erhalten", sagt Jenson Button. Nur so würden alle mit fairen Mitteln arbeiten.
Für Robert Kubica ist das Ganze ein Versteckspiel, wodurch eine Aufhebung des Verbots vieles einfacher machen würde. "In der Vergangenheit hat es oft Teamorder gegeben und niemand hat es bemerkt - oder es war eben nicht so offensichtlich wie in Hockenheim", meint der Pole. Nico Hülkenberg stimmt Kubica in diesem Punkt zu. Allerdings hätte dies auch Folgen für die Öffentlichkeit. Nicht nur Fans wären verärgert, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht würde es zu Einbußen kommen. "Wettbüros könnten gar keine Einsätze mehr machen, ich weiß nicht, ob das möglich wäre."
Jarno Trulli ist deutlich für die Abschaffung des Artikels 39.1. "Strategie spielt eine sehr wichtige Rolle", meint er. "Teamstrategie ist ein Teil des Geschäfts und des Sports." Dabei betont er vor allem das Geschäft und stellt den Sport nicht unbedingt an die erste Stelle. "Ja, der Sport ist ein Sport, aber er wurde zu einem Geschäft und die Teams geben viel Geld aus, um das Auto zu entwickeln." Der Italiener sieht den Wirbel rund um Ferrari eher gelassen. "Man sollte die Fahrer kämpfen lassen und die Teams sollten entscheiden, wer gewinnt oder wen sie unterstützen."

