Voll bei der Sache: Kimi Räikkönen bereitet sich auf den Ernstfall vor

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Dienstag, 24.01.2012

Räikkönens Rückkehr im Gebrauchtwagen

Kimi Räikkönen hatte die Gelegenheit, sich wieder an die F1 zu gewöhnen. Ein Gebrauchtwagen-Test in Jerez brachte Aufschluss über die Verfassung des Iceman.

"Der Iceman ist zurück!" Wie ein Donnerhall ging diese Nachricht zum Comeback von Kimi Räikkönen am 29. November durch die Motorsportwelt. Mit der Verpflichtung des ehemaligen Weltmeisters gelang Lotus - ehemals Lotus Renault GP - ein spektakulärer Coup, seit dieser Zeit warteten die F1-Beobachter sehnlichst auf den Zeitpunkt, an dem Räikkönen wieder ins Cockpit steigen würde. Nun war es soweit: am Montag nahm der kühle Finne nach 813 Tagen Auszeit wieder in einem Formel-1-Boliden Platz.

Nach der zweijährigen Abstinenz gab Lotus seinem Star-Piloten die Gelegenheit, sich wieder an die Königsklasse zu gewöhnen, nachdem er zuvor in der Rallye-WM durch die Welt raste. Im Rahmen eines zweitägigen Tests in Valencia griff Räikkönen ins Lenkrad eines R30-Boliden aus der Saison 2010. Der Grund für den Gebrauchtwagen-Test: wegen des FIA-Reglements sind Testfahrten beschränkt, ein Auto der neueren Generation darf nicht zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für die Pirelli-Reifen, weshalb Lotus Demonstrationsreifen des italienischen Reifenherstellers ans Auto schraubte.

Ein gänzlich anderer Sport

Nicht die Jagd nach Rundenzeiten, sondern das Gewöhnen an die neuen Gegebenheiten der F1 stand demnach für Räikkönen auf dem Programm. Dass der Iceman nicht auf Anhieb das Auto quasi im Schlaf bewegen konnte, daraus machte er kein Geheimnis. "Es ist wie nach meinem Wechsel aus der Formel 1 in die Rallye-WM: es ist ein gänzlich anderer Sport. Man muss einen ganz anderen Stil fahren", gab er nach dem ersten Testtag auf dem Circuit Ricardo Tormo zu. "Natürlich braucht es einige Zeit, um mich daran zu gewöhnen, aber das Fahren, Bremsen, Einlenken benötigt nicht viele Runden, um wieder da zu sein. Andererseits wird es etwas dauern, bis ich das Auto und die Reifen kennen gelernt habe."

Gleichzeitig sei es ein schönes Gefühl gewesen, wieder einmal in einem F1-Auto Platz nehmen zu dürfen. Lotus war mit der Performance seines Neuzuganges offenbar einverstanden. "Das gesamte Team ist mit Kimis Feedback zufrieden und Kimi schien ebenfalls sehr glücklich zu sein, wieder am Lenkrad zu sitzen", so Teamchef Eric Boullier. "Er bekam sehr schnell ein Gefühl für das Auto und baute sofort eine starke Verbindung zum Team auf. Unser Team besteht aus echten Racern und Kimi passt sehr gut zu uns."

Echte Racer

Lotus-Chefingenieur Alan Permane stimmte dem positiven Zwischenfazit seines Chefs zu: "Kimi hatte vom ersten Run an die Pace. "Es war sofort klar, dass wir mit einem ehemaligen Weltmeister zusammen arbeiteten. Es war ein guter Tag. Ich sehe keinen Grund, warum er nicht die Pace haben sollte - er ist ein sehr erfahrener Pilot." Gleichzeitig merkte Permane an, dass es noch eine gewisse Zeit benötigen werde, bis Räikkönen sich wieder vollständig in der Formel 1 zurechtfindet. Der Test sei ein guter Anfang gewesen. "Er muss sich an das Auto und das Team gewöhnen. Dieser Test gibt uns einen kleinen Vorsprung vor dem ersten Test in Jerez", so Permane.

Nach dem Vor-Vor-Saisontest in Valencia erwartet die Motorsportwelt gespannt darauf, wie sich der ehemalige Ferrari-Pilot mit neuem Material schlagen wird. Lotus soll die erforderlichen Crash-Tests erfolgreich bestanden haben, das neue Auto wird der Weltöffentlichkeit am 5. Februar - zwei Tage vor dem Testauftakt - präsentiert. Auch Räikkönen freute sich schon auf den neuen Boliden, der das Team in der anstehenden Saison zum Erfolg führen soll. "Oh ja, es wird interessant, das neue Auto zu sehen", gab der gelegentlich etwas wortkarge Superstar zu Protokoll. "Jetzt verstehe ich das neue Auto vielleicht etwas besser, weil ich einen Vergleichswert habe. Wie bei jedem neuen Auto hoffen wir, dass es gut und auf Anhieb schnell sein wird."

Gleiches hoffen mit Sicherheit auch die Verantwortlichen des Lotus F1 Teams. Sollte das neue Auto nicht den Erwartungen entsprechen, könnte Räikkönen möglicherweise schnell wieder die Lust verlieren. Was dann passiert, konnte man bereits zum Ende seiner ersten Zeit in der F1 erleben. Doch erst einmal stehen nun die Wintertests bevor, bevor weiter spekuliert werden darf über die Motivation des Iceman.

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