Bobsport

Dienstag, 21.04.2015

Karriere-Portrait: Skeleton-Ikone Anja Selbach : Neustart als Nachwuchs-Trainerin - Niemals geht man so ganz

Nach 26 Jahren als Rennrodlerin und Skeletoni beendete Anja Selbach ihre aktive Karriere. Als Trainerin will die Wintersport-Legende erneut voll durchstarten.

Die Heim-WM in Winterberg im März 2015 bildete gleichzeitig den Schlusspunkt unter einer der bedeutendsten Karrieren im deutschen Skeleton-Sport. Anja Selbach eiste sich nach kaum fassbaren 26 Jahren im Leistungssport von ihrer Leidenschaft los - jedoch nur als aktive Teilnehmerin.Denn seit dem 1. April trainiert die Deutsche zehn junge Sportlerinnen und Sportler, und das durchaus mit hohen Ambitionen.

"Ich würde mich sehr freuen, wenn zwei davon es zu den Youth Olympic Games im Februar 2016 nach Lillehammer schaffen würden. Für die anderen SportlerInnen möchte ich alles geben, dass sie ihr persönliches Saisonziel erreichen", offenbart Selbach ihre Pläne. Im Anschlussbereich des C- und DC-Kaders von Landestrainer David Lingmann fand sie Platz für ihre neue Trainingsgruppe, möchte zudem mehr im Bereich der Sichtung neuer Talente unternehmen.

Unglaubliche Vita: Titel, Triumpfe, Edelmetall

Dass Selbach weiß, wovon sie spricht, verrät ein Blick auf ihre beeindruckende Vita. Seit ihrer Debüt-Saison 2004/05 im Skeleton-Weltcup fuhr sie nicht weniger als elf Weltcupsiege und 32 Podestplätze ein. Die 31-jährige diplomierte Sportmanagerin gewann zudem fünf WM-Medaillen, darunter zweimal Gold im Einzel und Team 2008 in Altenberg sowie drei weitere Silber-Medaillen.

Auch auf europäischer und nationaler Ebene feierte sie jedoch große Erfolge. So war Selbach viermal Europameisterin und fünfmal Deutsche Meisterin. Nach dem Gewinn der Olympischen Bronzemedaille fuhr sie im Winter 2010/11 ihre beste Saison. In acht Weltcuprennen stand die für den RC Berchtesgaden startende Bayerin immer auf dem Podest, siegte vier Mal und sicherte sich so folgerichtig auch den Gesamtweltcup. Bei der Heim-WM am Königssee holte die Ausnahmeathletin im gleichen Winter zwei Silbermedaillen.

Im Juli 2014 heiratete die bis dahin unter ihrem Mädchennamen bekannte Anja Huber ihren langjährigen Freund David Selbach, der damals Cheftrainer der Deutschen Snowboard Freestyle-Mannschaft war. Das Paar lebt in Bischofswiesen im Berchtesgadener Land. Als Trainerin und Talent-Scout will Selbach nun etwas davon zurückgeben, was ihr der BSD mit der jahrelangen Unterstützung einst zukommen ließ.

Selbach motiviert: Konkurrenz schläft nicht

"Der BSD kann guten Nachwuchs brauchen, denn vor allem im Bereich der Startzeiten hat die Konkurrenz aus dem Ausland in den letzten Jahren einen riesen Sprung gemacht", sagt die einst schnellste Starterin der Welt. Die erfahrenste Skeletonsportlerin des BSD, die 2006 in Turin, 2010 in Vancouver und 2014 in Sochi an drei Olympischen Spielen teilnahm und 2010 eine Bronzemedaille errang, möchte ihren Ehrgeiz und unbändigen Siegeswillen nun auf die Nachwuchssportler übertragen.

Cheftrainer Jens Müller freut sich über den Zugewinn der Ausnahmesportlerin als Trainerin für den DSB: "Anja hat über viele Jahre durch Ihre hervorragenden Leistungenund dem damit verbundenen Auftreten in der Öffentlichkeit die Entwicklung des Skeletonsports in Deutschland sehr positiv beeinflusst. Wir können uns für einen Trainerposten im Bereich der Jugendförderung keine geeignetere Besetzung vorstellen."

Auch Generalsekretär und Sportdirektor Thomas Schwab würdigte Selbachs Verdienste für den deutschen Wintersport: "Anja hat in ihrer sportlichen Karriere viel erreicht und war immer die Vorzeige-Sportlerin der Disziplin. Wir schätzen uns glücklich, dass wir sie mit ihrer geballten Fachkompetenz für unser Trainer-Team gewinnen konnten und freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit. Dafür wünsche ich ihr alles Gute und weiterhin viel Erfolg!"