Bobsport

Mittwoch, 06.05.2015

Kreis geschlossen: Cathleen Martini macht Schluss: Bob-Legende sagt nach 15 Jahren ade

Die zweifache Bob-Weltmeisterin Cathleen Martini beendet nach 15 Jahren ihre große Karriere. Neben ihrem Polizei-Beruf bleibt sie dem Sport privat jedoch treu.

Nach Anke Wischnewski und Anja Selbach muss der BSD den Abgang einer weiteren Wintersport-Ikone verkraften. Nach 15 Jahren Bobsport mit 17 Weltcupsiegen, zwei WM-Titeln (Zweierbob und Team), vier EM-Triumpfen, einem Sieg und vier zweiten Plätzen im Gesamtweltcup sagt eine Große des internationalen Bobsports den Lenkseilen "Ade".

Um sich zukünftig gänzlich auf ihren Beruf als Polizeihauptmeisterin bei der Bundespolizei konzentrieren zu können, sieht sich die 32-jährige Sächsin gezwungen, sportlich kürzer zu treten. Die Fortsetzung der Karriere auf höchstem Niveau kann so jedoch nicht mehr gewährleistet werden, was Martini nun doch zu diesem radikalen Schritt bewegt hat. Privat wird sie der "Liebe" Bobsport jedoch definitiv treu bleiben.

Martini geht fremd: Karriere-Start im Rennrodel

"Wenn es nur um das Bobfahren ginge, dann hätte ich sicher nicht aufgehört. Aber es sind vor allem die Startzeitnormen, die es mir schwer machen und so wollte ich zu Beginn der letzten Saison, als ich im Weltcupteam nicht berücksichtigt wurde, einfach noch einmal ganz oben stehen und bei der Heim-WM dabei sein können", gesteht die Bob-Ikone offen und ehrlich. Über die Art und Weise ihres Abgangs zeigt sie sich hocherfreut. "Ich habe in meinem letzten Jahr noch mein gestecktes Ziel erreicht und bin darüber sehr glücklich."

Begonnen hatte die große Karriere der gebürtige Zwickauerin mit neun Jahren auf dem Rennrodel. Als die Sächsin Gabi Kohlisch jedoch erste Bob-Weltmeisterin wurde, entschied sich Cathleen nach dem Abitur in Altenberg in den Bob umzusteigen. Die steile Karriere der Senkrechtstarterin Martini begann am 16. Oktober 2000 mit den ersten Fahrten in Oberhof. Damals war Cathleen mit ihren 18 Jahren die jüngste Bobpilotin in Deutschland.

Traum-Duo Martini-Cernota: Medaillen-Premiere bei der WM

Bereits zu Beginn der zweiten Bobsaison Ende November 2001 fuhr Cathleen Martini mit ihrer Anschieberin Yvonne Cernota in Innsbruck-Igls mit Rang drei zu ihrem ersten Weltcup-Podestplatz und durfte danach mit zu den Übersee-Weltcups. Cathleen erinnert sich: "Das war ein Schneerennen. Hoppfried gab mir vor dem Start den Tipp: `Fahr einfach den Spuren nach!` Das habe ich gemacht und die Ideallinie gefunden."

Auch die erste WM-Medaille im Februar 2003 in Winterberg und den ersten Europameistertitel 2004 in Sigulda gewann Cathleen mit Yvonne Cernota. "Ich habe diese anspruchsvolle, tolle Bahn sofort gemocht. Letztendlich haben wir dann mit einem riesen Vorsprung von eineinhalb Sekunden den EM-Titel geholt. Den Bahnrekord sollten wir heute noch haben", blickt sie stolz auf eines ihrer Karriere-Highlights zurück.

Tiefe Schwärze nach Cernotas Tod

Die von vielen Erfolgen und Höhepunkten gespickte Karriere hielt für Martini jedoch auch tiefe Trauer und lange Dunkelheit parat. Nach einem tragischen Unfall in Königssee verstarb ihre jahrelange Anschieberin Cernota. Da die beiden ein besonderes Verhältnis über den Sport hinaus pflegten, saß der Schock bei Martini doppelt tief: "Yvi war wie eine große Schwester für mich. Ich habe ja keine Geschwister, doch sie hätte ich mit als große Schwester gewünscht. Ich habe in der gemeinsamen Zeit sehr viel bei ihr in Halle trainiert und dann auch bei ihr gewohnt. Sie war in jeder Hinsicht mein Vorbild. Ihr Tod war der absolute Tiefpunkt für mich."

Psychologische Hilfe sowie die neue Bob-Partnerin Janine Tischer halfen Martini schließlich über das Tief hinweg: "Janine ist mir so sehr ans Herz gewachsen. Wir haben uns am Ende fast blind verstanden und in jeder Hinsicht voll vertraut. Bei uns hat die Chemie einfach immer gepasst." In der Saison 2004/05 gewann Cathleen Martini mit Janine Tischer in Altenberg ihren zweiten EM-Titel.

Dass im Bob Erfolg nur über absolutes Teamwork möglich ist, war eine der ersten Lehren, die Martini sich zu Herzen nahm. "Ein erfolgreiches Bob-Team macht ja nicht nur die Pilotin aus. Für ein gutes Team ist der Zusammenhalt und die gegenseitige Akzeptanz von größter Bedeutung. Janine war selbst eine Zeit lang Pilotin. Sie konnte mir immer super Feedback geben zu unseren Fahrten. Es war einfach fantastisch!"

Königsee 2011: Das erste WM-Gold

Martini gewann als Bobpilotin acht WM-Medaillen (im Zweierbob und im Team) und obwohl ihr eine Olympiamedailleverwehrt blieb, wird sie auf ewig zu den Größen dieser Sportart in Deutschland gezählt werden. Der Gewinn der Weltmeisterschaften 2011 in Königssee tröstete die Bob-Ikone mehr als nur über die Versäumnisse bei den Olympischen Spielen hinweg.

Ihre letzte Saison 2014/15 verlangte der 32-jährigen Sächsin noch einmal alles ab: "Ich habe sehr viele Taschentücher gebraucht", erzählt Martini im Rückblick. Zuerst laborierte sie im Sommer an einer Achillessehnenverletzung und konnte nicht richtig trainieren, worauf sie im September beim Test in Oberhof an der Startzeitnorm für das Weltcupteam scheiterte. Sie wurde von den Trainern für das Weltcupteam nicht berücksichtigt und startete bei den Europacups.

Das perfekte Karriere-Ende

Nach dem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften zum Jahreswechsel in Winterberg und dem erneuten Scheitern an der Startzeitnorm wurde Martini dann von Cheftrainer Christoph Langen doch noch für die Weltcups und die Heim-WM nominiert. Mit der Bronze-Medaille im Zweierbob bestätigte sie das Vertrauen in fast schon gewohnter Martini-Manier.

Ein jeder Top-Athlet träumt davon, am Gipfel seines Schaffens aufzuhören. Und Martini kam in den Genuss dieses besonderen Karriere-Highlights. Denn im Team-Wettbewerb vergoldete die Deutsche ihr Karriereende abermals. Vor allem die Bronzemedaille ließ sie jedoch sentimental werden: "Ich war nach dem Zweier-Rennen sehr happy, es war so ein emotionaler und überwältigender Moment. Bronze war ein toller Abschluss für mich, der Kreis hatte sich geschlossen. Ich habe in Winterberg mit Yvi 2003 mit Bronze die erste WM-Medaille gewonnen und zehn WMs später konnte ich hier meine Karriere wieder mit WM-Bronze beenden. Ich bin überglücklich und zufrieden".

Bild: BSD