Bobsport

Donnerstag, 27.08.2015

Interview mit Bob-Bundestrainer Christoph Langen

Seit fünf Jahren ist der Olympiasieger und Weltmeister Cheftrainer des deutschen Bobverbandes. Speed Academy sprach mit ihm über die kommende Saison.

Herr Langen, was wird im deutschen Bobsport im kommenden Winter anders als im vergangenen?

Christoph Langen: Im Prinzip nicht viel. Wir haben bereits nach den Olympischen Spielen 2014 einiges in Sachen der athletischen Leistungswerte umgestellt. Auch das Material wird seitdem noch individueller auf die Sportler abgestimmt. Mehr Veränderungen sind erstmal nicht geplant. Man kann ja auch nicht ständig die Trainingsmethodik wechseln.

Wo könnten Probleme lauern und wie wollen Sie denen begegnen?

Christoph Langen: Ich sehe aktuell keine großen Probleme. Wir kämpfen derzeit allerdings noch mit ein paar Verletzungen. Mit Blick auf die Olympia 2018 haben wir aber erst einmal die Ausbildung der Athleten forciert. Heißt: Die absolvieren jetzt erstmal ihre schulischen oder beruflichen Prüfungen, um danach den Kopf frei zu haben. Dann kommen Probleme gar nicht erst auf.

Wir wissen natürlich nicht genau, was andere Nationen machen und was dann im Winter auf uns zu kommt. Gerade in Sachen Material tut sich momentan viel. Die Südkoreaner holen da kräftig auf und auch die Kanadier, die letzte Saison nicht ganz zur Spitze gehört haben, werden wieder rankommen.

Was macht eigentlich ein Bobpilot zwischen April und September?

Christoph Langen: Er kümmert sich um alles, was mit dem Team zusammenhängt. Das bedeutet, er kümmert sich gemeinsam mit dem Verband um die Sponsoren und das Material. Dann muss er möglicherweise seine Mannschaft neu zusammenstellen, also gegebenenfalls einen oder mehrere Anschieber suchen. Und das Wichtigste: Natürlich muss er auch im Sommer viel für seine körperliche Fitness tun.

Es könnte sein, dass die Weltmeister Manuel Machata und Thomas Florschütz noch vor der kommenden Saison ihre aktive Laufbahn beenden. Was würde das für den deutschen Bobsport bedeuten?

Christoph Langen: Zunächst einmal hieße das, dass zwei Top-Athleten gehen. Aber das ist der normale Lauf der Dinge. In unserem Sport wird der Körper außerordentlich stark beansprucht. Aber ich habe deshalb keine Angst. Es kommt viel guter Nachwuchs von unten.

Wie sehen sie allgemein die Entwicklung des Bobsports in Deutschland?

Christoph Langen: Ich sehe sie sehr positiv. Wir sind breit aufgestellt, das zeigen die Erfolge der letzten Jahre. Es kommen wie gesagt viele gute, junge Leute nach, gerade bei den Männern. Aber auch die Frauen werden hier in den kommenden Jahren nachlegen.

Sind die Erwartungen der Funktionäre und der Öffentlichkeit zu hoch, zu niedrig oder genau richtig?

Christoph Langen: Die Erwartungen sind im Prinzip richtig. Wir als Sportler und Trainer wollen Siege holen. Wenn es mal nicht funktioniert, sollte man allerdings gerecht sein. Wir geben immer alles, sind aber auch nur Menschen. Besonders gilt das für die jungen Athletinnen und Athleten.

Was bräuchte Deutschland aus Ihrer Sicht in Sachen Bobsport am ehesten: Mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit, mehr Rennstrecken oder mehr Nachwuchs?

Christoph Langen: Eigentlich benötigen wir höchstens etwas mehr Kreativität beim Werben um höhere Aufmerksamkeit. Hier ist aber auch der internationale Verband gefragt, denn der kann da am meisten bewegen. Geld spielt natürlich eine Rolle, es kommt aber eher darauf an, wie man es einsetzt.

Wo liegen denn heute die größten Unterschiede zu Ihrer aktiven Zeit?

Christoph Langen: Eigentlich sind die gar nicht so groß. Die Aerodynamik ist weiter am Limit als früher und es kommt beim Material mehr Hightech zum Einsatz.

Erklären Sie jemandem, der noch nie in einem Bob saß, worin die Faszination dieser Sportart liegt?

Christoph Langen: Da würde ich zunächst einmal die Geschwindigkeit nennen, die man im Eiskanal erreicht. Man bringt Mensch und Sportgerät ans Limit. Dann geht es hier auch um das Teamfeeling. Denn alleine kann man nichts erreichen im Bob, man braucht die anderen. Wer an internationalen Wettbewerben teilnimmt, sieht zudem viel von der Welt.

Foto: BSD