Bobsport

Mittwoch, 21.10.2015

'Ich will wieder eine WM-Medaille': Interview mit Bobpilotin Anja Schneiderheinze

Die 37-Jährige gewann bei den Weltmeisterschaften im Februar dieses Jahres die Silbermedaille im Zweierbob. Mit Speed Academy sprach sie über die neue Saison.

Wie lauten Ihre Ziele für den kommenden Winter?

Anja Schneiderheinze: Ich will bei der WM auf jeden Fall wieder eine Medaille. Der Wettbewerb findet auf der Bahn in Igls bei Innsbruck statt, die liegt mir. Im Weltcup will ich auf jeden Fall auch mit vorne dabei sein.

Sind die Erwartungen, die die Öffentlichkeit und die Funktionäre an die deutschen Bobfahrer stellen, zu hoch, zu niedrig oder genau richtig?

Anja Schneiderheinze: Der Anspruch aller am deutschen Bobsport Beteiligten lautet immer, vorne zu sein. Mit Blick auf die WM gilt, dass die Bahn dort nicht nur mir, sondern auch einigen anderen Athleten in unserem Verband liegt. Insofern hoffen wir auf ein gutes Mannschaftsergebnis. Ich will auf jeden Fall eine Medaille. Die WM ist der Höhepunkt der Saison. Man kann im Weltcup noch so oft gewinnen, aber die Aufmerksamkeit ist bei einer Weltmeisterschaft deutlich höher.

Man könnte Sie derzeitmit Recht als die Nummer 1 im deutschen Bobsport der Frauen bezeichnen. Wäre eine solche Aussage für Sie eine Freude, eine Verantwortung oder eine Last?

Anja Schneiderheinze: Eine Last ist es nicht. Es macht mich stolz. Ich will meinen Platz auch behaupten. Ich fühle mich derzeit sehr stark mit meinem Team, also den Anschieberinnen, aber auch mit dem Material. Im Moment sind alle nötigen Voraussetzungen da.

Ist es schwierig, das richtige Team zusammenzustellen?

Anja Schneiderheinze: Als gute Pilotin kriegt man auch gute Anschieberinnen. Man muss sich aber auch untereinander verstehen. Es ist natürlich schön, wenn die Kolleginnen bei mir bleiben wollen, weil sie merken, dass es funktioniert.

Wie kann man mehr Mädchen und junge Frauen für den Bobsport begeistern?

Anja Schneiderheinze: Ich halte Schnuppertage, ähnlich, wie es sie im Berufsleben gibt, für sehr hilfreich. Es macht aus meiner Sicht aber keinen Sinn, sie für unter 18-Jährige zu veranstalten. Bobfahren ist nun einmal körperlich sehr intensiv. Da sollen sich die jungen Frauen erst einmal in anderen Sportarten weiterentwickeln. In unserer Disziplin geht der Juniorenbereich bis 26 Jahre. Da ist also noch Zeit für einen Wechsel.

Das ist ein gutes Stichwort. Sie selbst kamen vom Eisschnelllauf in den Bob. Wie kam es dazu?

Anja Schneiderheinze: Ich hatte während meiner Eisschnelllauf-Zeit Pfeiffersches Drüsenfieber. Danach kam ich nicht mehr auf mein vorheriges Leistungsniveau. Ich war zu dieser Zeit an der Bundespolizei Sportschule Bad Endorf. Dort kam das Gespräch auf das Thema Bobfahren und man sagte mir "Probier´ das doch mal aus!". So kam ich in den Bob.

Ihr Einstieg in den Sport ist mittlerweile auch schon wieder einige Jahre her. Wie hat sich das Bobfahren seitdem entwickelt?

Anja Schneiderheinze: Es wird immer athletischer und es wird immer mehr zum Materialsport. Für mich persönlich war es am Anfang natürlich so, dass ich noch zu den Jüngeren gehöre. Das ist heut nicht mehr so (lacht).

Angenommen, Sie dürften eine Regel in ihrem Sport ändern. Welche wäre das?

Anja Schneiderheinze: Es gibt für die Bobs eine Reduzierung beim Gesamtgewicht. Das ist natürlich für eine Frau nie schön, wenn sie dann noch mehr auf jedes Kilo an ihrem Körper achten muss.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Dietmar Reker