Bobsport

Freitag, 30.10.2015

'Mein Ziel ist Gold bei Olympia!': Interview mit Bobpilot Johannes Lochner

Johannes Lochner (25, links im Bild), Vizeweltmeister im Zweierbob, über die neue Saison, Studium und Leistungssport sowie seinen Onkel Rudi.

Wie kommt ein junger Mann wie Sie heutzutage eigentlich zum Bobsport?

Johannes Lochner: Das liegt bei mir in der Familie. Mein Onkel Rudi Lochner wurde 1991 Weltmeister und 1992 Olympiazweiter. Daher war ich von klein auf an der Bahn. Zunächst mal habe ich selbst aber andere Wintersportarten betrieben. Von Biathlon über Ski alpin bis zum Skispringen war alles dabei. In der Pubertät habe ich mich dann mehr auf die Schule konzentriert. Aber irgendwann später sagte mein Onkel: "Probier´ es doch mal aus!". Und das habe ich dann gemacht.

Was ist ihr Ziel a) für die kommende Saison und b) für Ihre Karriere?

Johannes Lochner: Ich habe im vergangenen Winter fast keine Fahrten im Viererbob machen können. Also geht es jetzt darum, dahingehend einen Lernprozess zu durchlaufen.Wenn es gut läuft, können wir dann im Weltcup mitfahren, ansonsten im Europacup. Ich möchte mich aber für den Weltcup qualifizieren und dann auch an der WM teilnehmen.

Was die Karriere angeht, so kann mein Ziel nur lauten, eine Goldmedaille bei Olympia zu holen. Mein Onkel hat schließlich Silber gewonnen und ich will der beste Bobfahrer in der Familie sein (lacht).

Sind die Erwartungen der Funktionäre an Sie zu hoch, zu niedrig oder genau richtig?

Johannes Lochner: Die sind eigentlich genau richtig. Ich muss natürlich viel an mir arbeiten, man macht mir aber eigentlich keinen Druck. Ich bin noch jung, die Leute sagen mir "Du hast noch Zeit". Ich selbst habe wie gesagt den Plan, im kommenden Winter in den Weltcup zu kommen,2016/17 dann eine gute Saison hinzulegen, mich für die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang zu qualifizieren und dort gut abzuschneiden.

Wie schafft es ein junger Bobpilot wie Sie eigentlich, ein gutes Team aus Anschiebern zusammenzustellen?

Johannes Lochner: Das ist tatsächlich schwierig. Die guten Leute sind oft bei anderen Piloten im Team. Ich konnte oft gar nicht fahren, weil ich keine Anschieber hatte. Man sollte selbst athletisch sein, damit potentielle Kandidaten sehen, dass es erfolgversprechend ist, sich anzuschließen.Sehr beliebt als Anschieber sind Ex-Leichtathleten, besonders Sprinter. Manchmal sind es auch Leute, die bei anderen Piloten waren, die mit dem Leistungssport aufhören. Da muss man dann viel rumtelefonieren und auf diejenigen zugehen. Es ist auch eine finanzielle Frage, denn da geht es natürlich um Kost und Logis für die Trainingseinheiten und einiges mehr.

Sie studieren nebenbei Elektrotechnik. Lässt sich denn der ganze zeitliche Aufwand damit vereinen?

Johannes Lochner: Als ich mit dem Studium anfing, war das mit dem Bobfahren ja erstmal nur spaßeshalber. Da habe ich immer Montag bis Mittwoch an der Uni Vollgas gegeben und bin dann Bob gefahren. Nebenbei habe ich noch meine Athletik trainiert. Als ich dann meinen Bachelor hatte, habe ich den Entschluss gefasst, es zu probieren und mir ein eigenes Team zusammengestellt. Im Wintersemester geht momentan natürlich gar nichts.

Nehmen wir an, Sie dürfen eine Regel im Bobsport ändern. Welche wäre das?

Johannes Lochner: Im Zweierbob gibt es ein unteres Gewichtslimit von 170 kg für den Bob und 390 kg inklusive Insassen. Heißt: Das Team muss 220 kg wiegen, um nichts zuladen zu müssen. 110 kg pro Person ist aber ganz schön viel, gerade für ehemalige Leichtathleten. Mein Anschieber und ich kommen nie auf dieses Gewicht. Das heißt, wir müssen immer rund 20 Kilo Blei in den Bob packen. Das ist natürlich nicht ideal am Start. Da würde ich mir deshalb eine Reduktion wünschen.

Foto: BSD