Formel 1

Montag, 10.10.2016

TV-Experte Timo Glock: Ich verstelle mich nicht: Einfach frei raus

Mikrofon statt Rennauto: Timo Glock startet als TV-Experte für die Formel 1 durch! Der DTM-Star im Interview mit der Deutsche Post Speed Academy.

Timo, warst du nervös vor deinem ersten TV-Einsatz als Experte in Sotschi 2015?

Timo Glock: Nein, mega-nervös war ich nicht. Im Prinzip spreche ich ja nur mit der Kamera. Ich bin nervöser, wenn ich ein Interview vor Leuten gebe, die mich direkt sehen können. Du tust dir eh leichter, wenn du von Dingen sprichst, von denen du ein bisschen Ahnung hast und die du einschätzen kannst. Natürlich ist man immer etwas nervös, wenn es zum ersten Mal heißt: ‚Okay, jetzt sind wir live drauf´. Mein erster Einsatz vor der TV-Kamera als Experte war übrigens schon 2007 in Kanada, damals noch bei Sky.

Was ist für dich die größte Herausforderung bei deinem Job als TV-Experte?

Timo Glock: Die Herausforderung besteht für mich darin, so viele Informationen wie möglich für den Zuschauer innerhalb kürzester Zeit zu verpacken und verständlich rüberzubringen. Ich muss sagen, dass es in der Formel 1 viele Dinge gibt, von denen auch ich keine Ahnung habe, weil sie viel zu kompliziert sind - dafür musst du Ingenieur sein. Ich habe RTL damals auch gesagt, dass ich nicht die technischen Aspekte erklären möchte, sondern vielmehr die Sichtweise der Fahrer. Denn darauf kommt es letztendlich an.

Als Rennfahrer hast du einen anderen Einblick ins Geschehen als wir Medien. Aber: Darfst du wirklich all das sagen, was du weißt und erzählen könntest?

Timo Glock: Also ich darf grundsätzlich all das sagen, was ich gern möchte. Klar, wenn ich zum Beispiel von Sebastian Vettel eine Info bekomme und er nicht möchte, dass ich seinen Namen erwähne, dann mache ich das auch nicht. Das ist klar. Aber das gefällt mir ja gerade als TV-Experte: Ich kann meine persönliche Meinung einbringen. Damit muss nicht jeder übereinstimmen, aber ich stehe zu meiner Meinung. Natürlich kann es passieren, dass ich in der Kürze der Zeit auch mal falsch liege. Wenn man sich Szenen drei-, viermal in Ruhe anschauen kann, bewertet man sie vielleicht anders. Aber es ist eben Live-Fernsehen und das ist schon schwierig.

Als TV-Experte musst du natürlich auch mal andere Fahrerkollegen kritisieren. Kommen die dann anschließend auf dich zu?

Timo Glock: Bis jetzt musste ich keinen Fahrer scharf kritisieren, dafür ist meine TV-Karriere noch zu kurz. Aber das kann natürlich mal passieren. Dann würde ich ihm meine Sichtweise erläutern und mir auch seine Aussagen anhören. Sollte ich dann wirklich falsch liegen, hätte ich überhaupt kein Problem damit, mich vor die Kamera zu stellen und das zuzugeben.

Wie bereitest du dich auf die Rennen vor?

Timo Glock: Eigentlich darf ich das gar nicht sagen, weil ich dabei vielleicht schlecht wegkommen würde...

Das heißt?

Timo Glock: Um ehrlich zu sein, habe ich mich nicht wirklich vorbereitet. Klar, ich habe mir die letzten Rennen angeschaut und einige News und Interviews gelesen. Wenn ich an der Strecke bin, spreche ich auch mit den Leuten im Fahrerlager. Aus Fahrersicht weiß ich aber: Du kannst sie ausquetschen, aber die sagen dir 20 Prozent - wenn´s hochkommt - von dem, was wirklich passiert. Qualifyings und Rennen erzählen ihre eigene Geschichte und die versuche ich den Zuschauern zu erklären.

Du hast gute TV-Kritiken erhalten. Auch, weil du sehr natürlich rüberkommst?

Timo Glock: Ich verstelle mich nicht vor der Kamera. Ich bin vor der Kamera genauso wie ich mich auch zuhause gebe. Ich habe immer gesagt: Wenn ich so einen Job mal mache, dann versuche ich immer genauso zu sein wie der Zuschauer vor dem Fernseher. Wenn die Kamera angeht, bin ich kein anderer Mensch. Ich bin einfach frei raus. Das ist doch das größte Lob, wenn die Leute merken, dass du dich nicht verstellst und auch etwas Ahnung hast von dem, über das du da sprichst.

Siehst du die Formel 1 jetzt mit anderen Augen? Politik ist schließlich immer ein großes Thema...

Timo Glock: Nein, weil ich mich mit dem politischen Kram nicht auseinandersetze. Natürlich bleibt es nicht aus, sich als TV-Experte auch mal zu solchen Dingen zu äußern. Aus meiner Vergangenheit in der Formel 1 weiß ich aber: Da laufen so viele Dinge ab, bei denen wir - und auch ihr Medien - nicht genau wissen, was hinter den Kulissen abgeht.

Vermisst du die Formel 1?

Timo Glock: Nee! Ich war schockiert: Viele Leute im Fahrerlager waren sehr negativ eingestellt und wirkten wenig motiviert. Viele haben gesagt: ‚ Scheiß Technik, schlechte Show´ und so weiter. Durch die Bank weg habe ich niemanden getroffen, der es richtig geil fand, bei der Formel 1 zu sein. Ich war wirklich geschockt. Das fand ich sehr schade.

Wie siehst du das aus deiner Sicht?

Timo Glock: Es gibt aktuell viel Kritik, weil sich vieles um Politik dreht in der Formel 1. Das hat kaum noch etwas mit Sport zu tun. Die Hersteller versuchen das Reglement in ihre Richtung zu lenken, weil sie nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Es wird aber nicht mehr über den Sport nachgedacht und den Fan, der auf der Tribüne sitzt. Es ist einfach zu weit weg vom Fan, es ist zu technisch. Ein Beispiel...

Ja, bitte?

Timo Glock: Ich bin persönlich der Meinung, dass du so ziemlich jeden Fahrer in den Mercedes setzen könntest und er würde um die Weltmeisterschaft fahren. Mercedes macht da einen guten Job, gar keine Frage. Aber es ist einfach zu dominant.