Formel 1

Freitag, 02.12.2016

Nico Rosberg beendet seine Karriere: Sofortiger Rücktritt des Weltmeisters

Kaum zu glauben: Weltmeister Nico Rosberg gibt seinen sofortigen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt. Wer tritt die Nachfolge bei den Mercedes-Silberpfeilen an?

Diese Nachricht erschüttert die Formel-1-Welt: Nico Rosberg tritt mit sofortiger Wirkung aus der F1 zurück. Das gab der frisch gebackene Weltmeister am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz in Wien im Rahmen der FIA-Gala bekannt. Die News war vollkommen unvorhersehbar, nachdem der Mercedes-Pilot am vergangenen Wochenende erstmals die F1-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Wer Rosbergs Nachfolger bei Mercedes in der Saison 2017 wird, steht noch nicht fest.

"Seit 25 Jahren im Rennsport war es immer mein Traum, mein einziges, großes Ziel, Formel 1-Weltmeister zu werden", sagte Rosberg. "Ich musste viel dafür opfern, aber trotz all dieser harten Arbeit, dieser Schmerzen, und dem ganzen Verzicht war dies immer mein Ziel geblieben. Und jetzt ist es soweit, ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen und es fühlt sich richtig an. Ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für alle, die mich auf dem Weg zu diesem Titel unterstützt haben und es somit möglich gemacht haben."

Entscheidung am Montagabend

Nach dem Sieg in Suzuka habe er begonnen zu überlegen, als Weltmeister aus der F1 abzutreten. "Am Sonntagmorgen in Abu Dhabi, da wusste ich, dies hier könnte dein letztes Rennen sein", sagte Rosberg. "Und es fühlte sich alles plötzlich so klar und richtig an vor dem Start. Ich wollte jede Sekunde genießen vor dem Hintergrund, dass dieses Rennen mein letztes sein könnte... und dann sind die Lichter der Start-Ampel ausgegangen und es wurde das intensivste Rennen meiner Karriere. Am Montagabend habe ich mich dann endgültig zu diesem Schritt entschieden."

Eine Frage rund um den Rücktritt, die schnell die Runde machte: Hätte Rosberg auch aufgehört, wenn er den Titel beim Finale verloren hätte? "Nein, dann wäre ich weitergefahren", sagte er. "Aufgeben gibt es nicht. Ich hätte dann nicht alles erreicht gehabt." Er sei sich zu 1000 Prozent sicher mit seiner Entscheidung, die F1 zu verlassen. Mehr Bedenkzeit hätte er nicht benötigt: "Das war keine Kurzschlussreaktion, ich denke seit eineinhalb Monaten darüber nach."

Rosberg hatte sich mit dem WM-Triumph einen Kindheitstraum erfüllt. In den beiden vorangegangenen Saisons hatte er gegen Dauerrivale Lewis Hamilton stets den Kürzeren gezogen. Nach dem diesjährigen Titeltriumph sagte Rosberg, dass 2016 die härteste Saison seiner gesamten Karriere gewesen sei. Zuletzt sprach er von dem immensen Druck, der tatsächlich auf ihm lastete und von der fehlenden gemeinsamen Zeit mit seiner Ehefrau Vivian und Tochter Alaia.

Schwierige Situation für Mercedes

Rosberg weiter: "Das einzige, das diese Entscheidung sehr schwierig macht, ist, dass ich meine Racing-Familie jetzt in eine schwierige Position bringe. Aber Toto hat mich verstanden. Er hat sofort erkannt, dass ich total überzeugt bin von meiner Entscheidung und hat dies auch anerkannt."

"Das ist ein sehr schwieriger Moment", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Wir haben nach Abu Dhabi ein bisschen Zeit miteinander verbracht. Ich hätte das niemals kommen sehen. Wir sind zusammen von Singapur nach Frankfurt geflogen und hatten ein paar emotionale Gespräche. Er war sich so klar mit dem, was er sagte. Daran hatte ich keinen Zweifel. Er hinterlässt ein großes Vermächtnis. Auch wegen der Art, wie er sich für seinen Rücktritt entschieden hat."

Comeback ausgeschlossen

Ein Comeback in der Formel 1 schloss Rosberg kategorisch aus. "Nein, auf keinen fall", sagte er während der Pressekonferenz. "Ich bin fertig, Ende der Geschichte. Mein nächster Schritt ist, Vater und Ehemann zu sein für eine Weile. Da freue ich mich schon lange drauf."

Rosberg tritt nach 206 Grands Prix in der Formel 1 und 23 Mercedes-Siegen auf dem Höhepunkt seiner Karriere zurück. Er ist der erste aktive Weltmeister seit Alain Prost im Jahr 1993, der diesen Schritt vollzieht. Rosbergs Vertag bei Mercedes hätte noch bis Ende 2018 Gültigkeit gehabt.

Unglaubliches Ende des Party-Marathons

Bei Rosbergs Party-Marathon in Folge des WM-Sieges war nicht absehbar gewesen, dass er am Freitag die Rücktritts-Bombe platzen lassen würde. Nach einer Party-Nacht in Abu Dhabi war Rosberg zusammen mit Toto Wolff nach Malaysia gereist, um dort mit Großsponsor Petronas zu feiern. Anschließend ging es sehr kurzfristig weiter in Rosbergs Geburtsstadt Wiesbaden, wo er sich mit dem Bürgermeister zum Frühstück traf und den Fans Autogramme in der Innenstadt gab.

Am Donnerstag folgte der Empfang in der Teamfabrik in Brackley, wo Rosberg den Titelerfolg zusammen mit allen Mercedes-Mitarbeitern begoss. Es folgte er Trip nach Wien, wo er schließlich seinen Rücktritt bekanntgab. Bei der FIA-Meistergala am Freitagabend nimmt Rosberg erstmals den WM-Pokal in die Hand. Am kommenden Samstag sind Rosberg und Hamilton zu Gast im Mercedes-Werk in Sindelfingen.

Wer wird Rosbergs Nachfolger?

Die besten Chancen auf Rosbergs Nachfolge bei Mercedes dürfte Pascal Wehrlein haben. Der Silberpfeil-Junior steht für die Saison 2017 ohne Cockpit da, galt aber seit jeher als potenzieller Nachfolger von Rosberg oder Hamilton. Zuletzt verhandelte Wehrlein mit seinem aktuellen Team Manor und auch Sauber. Jetzt könnte seine Chance auf ein Top-Cockpit früher kommen als zunächst gedacht. Im Zuge der Hammer-News kann aber auch ein weiterer Coup nicht ausgeschlossen werden.

Ein theoretischer Kandidat wäre Fernando Alonso, der seit einigen Jahren mit einem Auto liebäugelt, das ihm die nächste Weltmeisterschaft einbringen kann. Sergio Perez gilt spätestens seit dieser Saison ebenfalls als Spitzenfahrer und könnte Rosberg vermutlich ebenfalls würdig vertreten. Er hat seinen Vertrag bei Force India um ein Jahr verlängert und wurde immer wieder mit einem Wechsel zu Ferrari in Verbindung gebracht.

Weitere theoretisch mögliche Mercedes-Anwärter könnten Sebastian Vettel oder Valtteri Bottas sein, sofern der Rennstall mit einem etablierten Fahrer in die neue Saison gehen möchte - das alles vor dem Hintergrund der Frage, ob konkurrierende Teams ihre Fahrer überhaupt ziehen lassen und wie viel Ablöse Mercedes bereit wäre zu zahlen. Es deutet letztendlich alles auf Wehrlein hin.

Rosbergs Karriere in der Formel 1

Rosberg fuhr von 2006 bis 2016 in der Formel 1. In 206 Rennen für Mercedes und Williams erzielte er 23 Siege und 57 Podestplatzierungen - 55 davon mit den Silberpfeilen. 30 Mal startete Rosberg ein Rennen von der Pole Position. 2010 wechselte Rosberg von Williams zu Mercedes und startete zunächst an der Seite von Michael Schumacher.

2013 wurde der Rekordweltmeister durch Lewis Hamilton abgelöst. Zwischen dem Briten und Rosberg entwickelte sich eine spannende Rivalität, die die Formel 1 in den vergangenen Jahren deutlich prägte. 2014 und 2015 hatte Hamilton die Nase im WM-Duell vorn, dieses Jahr schlug Rosberg zurück - es war der letzte Erfolg seiner Formel-1-Karriere.