Samstag, 30.01.2010 | 22:06
Neues Auto passt wie angegossen
Timo Glock ist nach seiner Sitzanpassung im Virgin-Cosworth nun endgültig bereit für die Jungfernfahrt: "Mit dem Auto verschmelzen"
In der kommenden Woche wird Timo Glock erstmals mit seinem neuen Formel-1-Boliden auf die Bahn gehen. Beim Shakedown in Silverstone wird das Fahrzeug auf Herz und Nieren geprüft, alle Funktionen gewissenhaft durchgespielt. Die Jungfernfahrt wird für das gesamte Team Virgin Racing ein spezieller Moment. Immerhin rollt erstmals der Wagen auf die Strecke, an welchem Ingenieure, Mechaniker und Piloten monatelang hart gearbeitet haben.
Bevor Timo Glock einsteigen darf, musste das Cockpit auf die Bedürfnisse des schnellen Odenwälders zugeschnitten werden. "Dabei geht es unter anderem um Pedalanordnung, Armfreiheit, Knöpfe am Lenkrad. Was ganz besonders wichtig ist: Der Sitz. Bei der Anpassung der Sitzschale gehen wir Fahrer nicht die geringsten Kompromisse ein", stellt der sympathische 27-Jährige klar.
"Wir nehmen uns für die Sitzanpassung reichlich Zeit", sagt Timo, der diesen wichtigen Prozess vor wenigen Tagen beim Team in Großbritannien absolviert hat. "So etwas kann wirklich lange dauern, bis alles passt. Wenn es optimal läuft, brauchst du dafür einen halben Tag. Wenn man mehrfach neu anpassen muss, dann kann so etwas sogar mehrere Tage dauern. Aber es ist wichtig. Nur wer passend sitzt, kann das Auto später richtig spüren. Man muss quasi mit dem Auto verschmelzen."
Bei Timo war das Werk nach knapp einem Arbeitstag in Großbritannien erledigt. "Es fängt immer mit einer rohen Sitzschale an", beschreibt der Racer aus Wersau. "Du setzt dich in diesen einfachen Sitz und dann wird der komplette Bereich um dein Hinterteil ausgeschäumt. Das härtet anschließend recht schnell aus und dann machst du sofort die Probe, ob es passt. Da darf kein Zehntelmillimeter falsch sein, sonst drückt und zwickt es."
"Ich bin bei der Sitzanpassung bestimmt fast zehnmal ein- und wieder ausgestiegen. Die Fachleute von Virgin Racing haben immer wieder neue Anpassungen vorgenommen, sodass ich mich am Ende des Tages rundherum wohlfühlte", so Glock. Mit einem Lächeln beschreibt er weiter: "Man muss aufpassen, dass man nicht irgendwann zwischendurch am Hintern eine Falte im Rennoverall hat. Denn dann könnte die ganze Arbeit für die Katz sein."
"Solch eine Sitzschale sieht am Ende irgendwie primitiv zusammengebastelt aus", gibt der schnelle Formel-1-Pilot aus Hessen zu. "Das liegt daran, dass wir auch im Nachhinein hier und dort noch leichte Anpassungen vornehmen. Das passiert dann manchmal mit einfachsten Mitteln, zum Beispiel mit Klebeband. Die Optik ist uns aber völlig schnuppe. Es zählt wirklich nur die optimale Passform. Es muss letztlich so eng sein, als würde man sich in meinem Alter in den alten Konfirmationsanzug zwängen."
Der Aufwand auf dem Weg zum optimalen Sitz ist enorm. Daher stellt sich natürlich die Frage, warum man einen passenden Sitz des Vorjahres nicht einfach weiterverwendet. "Das geht aus mindestens zwei Gründen nicht", sagt Timo. "Erstens haben alle Autos unterschiedliche Monocoques, daher auch unterschiedliche Befestigungspunkte für die Sitzschale. Zweitens hat man jedes Jahr einen neuen Anzug. Wenn der am Popo auch nur einen Hauch anders geschnitten ist, dann passt es schon nicht mehr richtig."

