Timo Glock

Kampfgeist im Blut

Nach zwei erfolgreichen Saisons mit dem Panasonic Toyota Racing Team steht 2010 ein neuer Abschnitt im Rennfahrerleben des Timo Glock an: Die erste Saison mit dem neu gegründeten Rennteam Virgin Racing und dem brandneuen VR01.

Auch in dieser neuen Konstellation geht Timo Glock seinen Weg und bleibt seinem Grundsatz weiterhin treu: Kämpfen bis zum Schluss. Die ersten Ziele sind erreicht, die ersten Podiumsplatzierungen mit zwei zweiten Plätzen in Ungarn 2008 und Singapur 2009 und einem dritten Platz in Malaysia 2009 eingefahren. Zeit für einen Neuanfang.

Der Titel „Kämpfernatur“ wäre fehl am Platz, hätte sich Timo Glock nicht für die Saison 2010 ein ganz besonderes Projekt ausgesucht: für das neu gegründete Team Virgin Racing an den Start gehen. "Das ist eine ganz neue Herausforderung. Das Fahrzeug wurde auf einem weißen Blatt Papier entwickelt. Das bedeutet eine Menge Arbeit, auf die ich mich richtig freue.“

Die Ziele für die aktuelle Saison sind daher klar gesteckt: „Wir wollen das Beste der neuen Teams werden und möglichst schnell zum Mittelfeld aufschließen.“ Das Projekt „Virgin Racing“ ist also langfristig angelegt. „Kurzfristig müssen wir damit klar kommen, dass wir am hinteren Ende des Feldes zu finden sind. Ich glaube aber an das Projekt und an den langfristigen Erfolg.“

Der VR01 wurde dabei als einziges Fahrzeug in der Formel 1 komplett per CFD (Computer Fluid Dynamics) entwickelt und hat noch niemals einen Windkanal von innen gesehen. Vor dem Hintergrund der weiteren Kostenkürzungspläne der FIA (Fédération International de l’Automobile), die Technik der Zukunft. „Momentan sind die Budgetkürzungen noch nicht vollständig durchgesetzt. Als Team mit einem der kleinsten Budgets sehen wir das aber nicht als Nachteil, sondern als künftigen Vorteil. Es ist einfacher, ein kleines Team aufzustocken, als umgekehrt.“

Den Geschmack von Champagner muss sich der Wersauer zwar zunächst abgewöhnen. „Aber ich bin davon überzeugt, dass wir schnelle Fortschritte machen und dann auch wieder in die Punkte fahren können.“  Das sieht auch Rennfahrer und Motorsport-Experte Hans-Joachim Stuck so: "Timo gibt nie auf und versucht immer, das Beste aus jeder Situation zu machen. Das bringt ihm viele Sympathien ein." Mit jeder Herausforderung ist auch der Mensch Timo Glock mental stärker geworden. Jede neue Situation hat den Ehrgeiz des Rennfahrers Glock doppelt angestachelt. Dass Timo stets ein nahbarer und menschlicher Rennfahrer bleiben will, zeigt er momentan auf seiner Facebook-Seite. Unter „Timo Glock Official“ hält er die Fans über Geschehnisse auf und abseits der Rennstrecke auf dem Laufenden.

In zehn Jahren vom Kartsport in die Formel 1

Mit 14 fand Timo Glock den Weg in den vierrädrigen Motorsport. Auf zwei Lehrjahre im Kartsport folgte in der Saison 2000 der Einstieg in die BMW ADAC Formel Junior, in der er gleich im ersten Jahr souverän Meister wurde. In den Jahren 2002 und 2003 stand die Reifeprüfung in der Formel 3 an. Bereits 2004 schnupperte er für Jordan als Test- und Ersatzfahrer erstmals Formel 1 Luft. In Montreal sprang Timo Glock kurzfristig ein und holte in seinem ersten F1 Rennen auf Anhieb zwei Weltmeisterschaftspunkte. 2005 war Glock ein Jahr in der amerikanischen ChampCar World Series unterwegs. Er schloss das Jahr als bester Rookie ab und ist in den USA menschlich und sportlich gereift. 2006 kam Timo mit vollem Einsatz zurück nach Europa und fuhr seine erste GP2-Saison. In der Saison 2007 war er wieder als Testfahrer in der Formel 1 unterwegs, diesmal für das BMW Sauber F1 Team. Fast schon „nebenher“ holte er sich in der GP2 den Meistertitel. Diese Leistungen wurden 2008 mit einem Formel 1 Cockpit beim Panasonic Toyota Racing Team belohnt. Seine erste F1 Saison beendete er mit 25 Punkten auf einem guten zehnten Platz in der Fahrerwertung. Die zweite Formel 1 Saison 2009 resultierte in weiteren 24 Punkten für das Kölner Werksteam.

Mit Spaß aktiv in der Nachwuchsförderung

In nur zehn Jahren gelang dem Odenwälder der Weg vom Kartsport in die Formel 1. Die Deutsche Post erkannte schon im Jahr 2000 das Potential des schnellen Odenwälders und fördert ihn seit dem. "Timo ist ein absoluter Teamplayer - ein Mensch, für den man die Hand ins Feuer legt", wissen langjährige Partner wie der Deutsche Post Vorstand Jürgen Gerdes, der gleichzeitig "Timos Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und Menschen zu begeistern" lobt."  Seit der Gründung der Speed Academy im Jahr 2004 trägt Glock in diesem einzigartigen Förderprogramm für deutsche Rennsport-Talente eine tragende Rolle. Die Speed Academy begleitet jedes Jahr sieben talentierte junge deutsche Rennfahrer auf ihrem Weg in den Profi-Rennsport. Als Mitglied der Fachjury, der auch so bekannte Sport- und Mediengrößen wie Hans-Joachim Stuck und Kai Ebel angehören, bildet Timo Glock die sechs Speed Academy Förderkandidaten aus und bewertet regelmäßig ihre Leistungen. „Die Speed Academy ist die Chance für junge Fahrer", so Timo, der lange Zeit ohne eine solche Förderung auskommen musste.

Juror in einem einzigartigen Förderprogramm

Insgesamt konnten Speed Academy Piloten während oder nach ihrer Zeit als Förderkandidaten in den vergangenen sechs Jahren 16 Meistertitel, 6 Vizemeistertitel und 3 Rookie of the Year Trophäen gewinnen. Die bekanntesten Nachwuchspiloten sind René Rast, Christian Vietoris und Daniel Abt, genauso wie die aktuellen Formel 1 Piloten Nicolas Hülkenberg oder Adrian Sutil. "Mit dem Engagement in der Speed Academy will ich meine in den vergangenen Jahren gesammelte Erfahrung an junge Kollegen weitergeben“, so der gelernte Gerüstbauer, „denn nichts ist am Anfang einer Rennsport-Laufbahn wichtiger als Menschen zu haben, von denen man lernen und nochmals lernen kann.“ Schließlich geht es auch um insgesamt 240.000 Euro Fördergeld. Aber nur wer Performance zeigt, wird auch belohnt. „So lernen die Förderkandidaten von vornherein, wie wichtig kämpfen, durchhalten und Leistung zeigen sind, wenn man im Rennsport ganz nach vorne will." Dass Timo Glock mit dieser Einschätzung richtig liegt, hat er selbst oft genug unter Beweis gestellt.

Charaktereigenschaften, die in der Welt des Profirennsports nicht immer selbstverständlich sind. Das ist es, was langjährige Weggefährten und Förderer an Timo Glock schätzen.

Steckbrief

Name

Timo Glock

Geburtsdatum

18.03.1982

Geburtsort

Lindenfels (Deutschland)

Erlernter Beruf/Studium

Gerüstbauer