Timo Glock
Immer Mensch geblieben
In nur zehn Jahren ist der sympathische Odenwälder zielstrebig vom Kartsport in die Formel 1 gefahren und dabei immer Mensch geblieben.
Nach einem Lehrjahr in der Formel 1 strebt Timo Glock diese Saison nach Höherem. Seinen Grundsatz will er dabei weiter verfolgen: immer Mensch bleiben. Das erste Ziel ist abgehakt: Mit einer starken Debütsaison beim Panasonic Toyota Racing Team hat Timo Glock seinen Platz in der Formel 1 gefunden. "Aber das ist kein Grund, sich zurückzulehnen", weiß der Odenwälder. "Im Gegenteil: Jetzt geht's erst richtig los. Das Team und ich wollen gemeinsam die nächsten Schritte machen - und das wird vor dem Hintergrund der vielen Regeländerungen für die neue Saison eine gehörige Menge Arbeit." Timo hat im letzten Jahr genug Selbstvertrauen getankt, um seine privaten Ziele auch in öffentliche Worte zu kleiden. "Ich möchte 2010 mit Toyota um die Weltmeisterschaft mitkämpfen. Das klingt zwar nach viel. Aber jeder ist in der Formel 1, um zu gewinnen - im Team genauso wie unter den Fahrern. Wenn man sich nicht solche ehrgeizigen Ziele steckt, braucht man erst gar nicht loszufahren."
Der 26-Jährige hofft vor allem darauf, dass die neuen Regeln ihm entgegenkommen. "Mit der neuen Aerodynamik sollen wieder mehr Zweikämpfe möglich werden - und kämpfen habe ich meiner Karriere ja gelernt", lächelt Timo. "Die Slicks vermitteln einem zudem eine viel direktere Rückmeldung als die Rillenreifen. Das ist auch so recht nach meinem Geschmack." Deswegen stimmt er auch in die hohe Erwartungshaltung der Toyota-Chefetage ein. "Toyota will dieses Jahr den ersten Sieg - und ich natürlich am liebsten auch. Ich stand letztes Jahr schon mal auf dem Podest; an den Geschmack von Champagner könnte ich mich gewöhnen", sagt er. "Wir haben im letzten Jahr große Fortschritte gemacht, und auch das neue Auto lässt sich sehr viel versprechend an. Wenn wir weiter so hart arbeiten, müssten wir unsere hohen Ziele erreichen können."
Das sieht auch Rennfahrer und Motorsport-Experte Hans-Joachim Stuck so: "Timo gibt nie auf und versucht immer, das Beste aus jeder Situation zu machen. Das bringt ihm viele Sympathien ein." Mit jeder Herausforderung ist auch der Mensch Timo Glock mental stärker geworden. Jede neue Situation hat den Ehrgeiz des Rennfahrers Glock doppelt angestachelt. Auch wenn sich Timos Weg in die Königsklasse heute liest wie eine Rennfahrer-Karriere aus dem Lehrbuch, gehört der 26-Jährige keinesfalls zu den Sportlern, die auf der Rennstrecke groß wurden. Einem Motocross-Unfall mit sieben Jahren folgte eine längere Pause und erst mit 14 Jahren der erste Kontakt mit dem Kartsport.
In zehn Jahren vom Kartsport in die Formel 1
Auf zwei Lehrjahre im Kartsport folgte in der Saison 2000 der Einstieg in die BMW ADAC Formel Junior, in der er gleich im ersten Jahr souverän Meister wurde. In den Jahren 2002 und 2003 stand die Reifeprüfung in der Formel 3 an. Bereist 2004 schnupperte er für Jordan als Test- und Ersatzfahrer erstmals Formel 1 Luft. In Montreal sprang Timo Glock kurzfristig ein und holte in seinem ersten F1 Rennen auf Anhieb zwei Weltmeisterschaftspunkte. 2005 war Glock ein Jahr in der amerikanischen ChampCar World Series unterwegs. Er schloss das Jahr als bester Rookie ab und ist in den USA menschlich und sportlich gereift. 2006 kam Timo mit vollem Einsatz zurück nach Europa und fuhr seine erste GP2-Saison. In der Saison 2007 war er wieder als Testfahrer in der Formel 1 unterwegs, diesmal für das BMW Sauber F1 Team. Fast schon „nebenher“ holte er sich in der GP2 den Meistertitel. Diese Leistungen wurden 2008 mit einem Formel 1 Cockpit beim Panasonic Toyota Racing Team belohnt. Seine erste F1 Saison beendete er mit 25 Punkten auf einem guten zehnten Platz in der Fahrerwertung.
Mit Spaß aktiv in der Nachwuchsförderung
In nur zehn Jahren gelang dem Odenwälder der Weg vom Kartsport in die Formel 1. Die Deutsche Post erkannte schon im Jahr 2000 das Potential des schnellen Odenwälders und fördert ihn seit dem. "Timo ist ein absoluter Teamplayer - ein Mensch, für den man die Hand ins Feuer legt", wissen langjährige Partner wie der Deutsche Post Vorstand Jürgen Gerdes, der gleichzeitig "Timos Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und Menschen zu begeistern" lobt." Seit der Gründung der Speed Academy im Jahr 2004 trägt Glock in diesem einzigartigen Förderprogramm für deutsche Rennsport-Talente eine tragende Rolle. Die Speed Academy begleitet jedes Jahr sechs talentierte junge deutsche Rennfahrer auf ihrem Weg in den Profi-Rennsport. Als Mitglied der Fachjury, der auch so bekannte Sport- und Mediengrößen wie Hans-Joachim Stuck und Kai Ebel angehören, bildet Timo Glock die sechs Speed Academy Förderkandidaten aus und bewertet regelmäßig ihre Leistungen. „Die Speed Academy ist die Chance für junge Fahrer", so Timo, der lange Zeit ohne eine solche Förderung auskommen musste.
Juror in einem einzigartigen Förderprogramm
Insgesamt konnten Speed Academy Piloten während oder nach ihrer Zeit als Förderkandidaten in den vergangenen fünf Jahren 14 Meistertitel, 6 Vizemeistertitel und 3 Rookie of the Year Trophäen gewinnen. Die bekanntesten Nachwuchspiloten sind René Rast, Christian Vietoris, Nicolas Hülkenberg oder Adrian Sutil. "Mit dem Engagement in der Speed Academy will ich meine in den vergangenen Jahren gesammelte Erfahrung an junge Kollegen weitergeben“, so der gelernte Gerüstbauer, „denn nichts ist am Anfang einer Rennsport-Laufbahn wichtiger als Menschen zu haben, von denen man lernen und nochmals lernen kann.“ Schließlich geht es auch um insgesamt 240.000 Euro Fördergeld. Aber nur wer Performance zeigt, wird auch belohnt. „So lernen die Förderkandidaten von vornherein, wie wichtig kämpfen, durchhalten und Leistung zeigen sind, wenn man im Rennsport ganz nach vorne will." Dass Timo Glock mit dieser Einschätzung richtig liegt, hat er selbst oft genug unter Beweis gestellt.
Charaktereigenschaften, die in der kühlen Welt des Profirennsports heute nur noch selten zu finden sind. Das ist es, was langjährige Weggefährten und Förderer an Timo Glock schätzen. Sein sehr guter Freund Carsten Schwinn fasst es in einem Satz zusammen: "Timo ist einfach immer Mensch geblieben, das wird sich auch in der Formel 1 nicht ändern".



