Timo Glock Tagebuch // Timo trainiert zurzeit gemeinsam mit seinem Physiotherapeuten Axel Thielmann in Spanien: Wind an der Küste, Berge im Landesinneren, Hunde am Strand.

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Mittwoch, 20.01.2010 | 15:34

Der Formel-1-Pilot als "Bergziege"

Timo trainiert zurzeit gemeinsam mit seinem Physiotherapeuten Axel Thielmann in Spanien: Wind an der Küste, Berge im Landesinneren, Hunde am Strand.

Im Augenblick lebe ich in einer Männer-WG in Spanien. Zusammen mit meinem Freund und Physiotherapeuten Axel Thielmann bin ich im Trainingslager in Oliva - das liegt an der Küste zwischen Valencia und Alicante. Einigen ist vielleicht der spanische Fährhafen Dénia bekannt, wo die Schiffe in Richtung Mallorca ablegen. Bis dort ist es gerade einmal eine halbe Stunde mit dem Fahrrad, zumindest wenn der Wind passend steht.

Mit dem Wind haben wir hier schon böse Bekanntschaft geschlossen. Gleich am ersten Tag unseres Trainingscamps sind wir mit unseren Rennrädern an der Küste entlang gefahren. Die Brise schlug uns dermaßen heftig entgegen, so dass wir bei einem Tempo von 15 km/h schon den optimalen Trainingspuls von 120 erreicht hatten. In Gegenrichtung lief es natürlich entsprechend besser und war nicht so frustrierend.

Jeden Tag legen wir bei herrlichen 18 Grad ungefähr 100 Kilometer zurück. Aber wir haben hier ganz schnell gemerkt, dass es da deutliche Unterschiede gibt. 100 Kilometer auf flacher Strecke an der Küste sind schnell gemacht, aber im Landesinneren geht es richtig heftig zur Sache. Da sind zwar keine Brocken wie der Tour-de-France-Klassiker Tourmalet dabei, aber die Hügel hier können auch Schmerzen verursachen.

Axel hatte sich gleich für den zweiten Tag eine ganz tolle Strecke ausgedacht, sich aber dabei unglaublich verkalkuliert. Über fünf Stunden waren wir unterwegs. Seine Messgeräte haben am Abend ausgespuckt, dass wir an dem Tag 1.600 Höhenmeter geklettert sind. Das klingt vielleicht nach gar nicht mal so viel, aber meine Schenkel haben sich bedankt. Und mein Hintern hat nach dem Trip auch leicht geschmerzt.

Trotzdem haben wir gleich am nächsten Tag wieder eine Einheit folgen lassen. Immer wieder sieht man zwischendurch übrigens Profiradteams, die auch ihr Trainingslager in dieser Gegend abhalten. Wenn ich mir vorstelle, dass diese Jungs weit über 200 Kilometer treten - vielen Dank! Gut, dass ich in der Formel 1 einen Motor habe, der mich anschiebt.

Glock hat Glück - klingt gut, oder? Trotz der vielen Kilometer auf den Landstraßen in Spanien hatten wir bisher nicht einen einzigen Defekt. Sowohl Axel als auch ich haben vor dem Abflug je drei Ersatzschläuche für unsere Räder besorgt. Wir haben noch keinen gebraucht. Toi, toi, toi. Nicht mal eine Kette ist abgesprungen, dabei treten wir kräftig in die Pedale.

Der Trainingstag besteht allerdings nicht aus Radfahren allein. Ab und zu gehen wir noch vor dem Frühstück am Strand laufen. Das ist auch nicht gerade entspannend und zu sehen gibt es leider derzeit nichts Interessantes. An den Stränden ist in dieser Jahreszeit überhaupt nichts los. Man begegnet höchstens mal einem Einheimischen mit Hund, oder einem Traktor, der den Sand für die nicht vorhandenen Touristen glattzieht - das war's.

Unser Hotel ist super. Kein Nobelschuppen, sondern solide und nett. Und vor allem in Bezug auf unser Vorhaben gut ausgestattet: Sauna, Pool, Fitnessraum. Viele Fußballclubs bereiten sich hier auch vor. Meistens stemme ich in der "Folterkammer" noch einige Gewichte. Vor dem Start in die neue Saison geht es nicht nur um Ausdauer, sondern eben auch um Kraft. Die Nackenmuskeln werden ganz schön hart rangenommen. Abends geht dann bei uns gar nichts mehr.

Bislang waren wir noch nicht ein einziges Mal abends auf der Piste. Wenn die Kraft fehlt, dann fehlt auch die Lust. Nach dem Essen spielen Axel und ich oft noch eine kleine Runde Playstation. Beim Fußball geht es gut zur Sache, die Spiele sind im Augenblick fast immer sehr ausgeglichen und damit schön spannend. Das ist spannend. Lange halten wir aber nicht durch. Das Training schlaucht, daher sind wir schnell müde. Zehn Stunden Schlaf sind für uns normal und gut.

In den verbleibenden Tagen treten wir noch viele weitere Kilometer auf den Tacho. Nur am Donnerstag will mir Axel eine leichtere Einheit gönnen, bevor ich am Freitag wohl noch einmal richtig leiden muss. Egal, denn am Samstag fliegen wir dann schon zurück nach Deutschland. Auf der Heimreise kann ich mich erholen und meine Haxen pflegen. Klagen werde ich nicht, denn es ist ja alles für den guten Zweck: Ich will 2010 noch fitter in die Formel-1-Saison gehen!

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