Timo Glock Tagebuch // Timo Glock berichtet in seinem Tagebuch von der emotionalen ersten Ausfahrt mit seinem neuen Formel-1-Auto: "Es verlief alles prima"

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Dienstag, 09.02.2010 | 09:48

Glückliche Gesichter

Timo Glock berichtet in seinem Tagebuch von der emotionalen ersten Ausfahrt mit seinem neuen Formel-1-Auto: "Es verlief alles prima"

Herrlich! Endlich wieder der Geruch von Gummi, Kupplung, Abgasen und Rennbenzin. Endlich wieder der Sound eines schrillen V8-Motors. Endlich wieder im Tiefflug über die Rennstrecke. Nach langer Pause durfte ich wieder richtig aufs Gas gehen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel Spaß mir unser Shakedown mit dem Virgin-Cosworth VR-01 in Silverstone gemacht hat.

Es war sehr emotional - für mich und alle anderen Teammitglieder. Man konnte es in den Gesichtern ablesen. Mein Teamchef John, unser Technikguru Nick, mein Freund und Manager Hans-Bernd und sogar mein Physiotherapeut Axel hatten ein ganz komisches Gemisch von Freude, Jubel und gleichzeitig Erleichterung über Augen, Ohren und Mund verstreut.

Mein Herz schlug ziemlich heftig, als ich den Wagen erstmals in Bewegung setzte und die Vibrationen des Cosworth-Motors spürte, den Sound ins Ohr bekam, dann den ersten Gang per Schaltwippe einlegte und vorsichtig mit Gas und Kupplung losrollte. Den Moment werde ich so schnell nicht vergessen.

Mit einem solch neuen Team so etwas zu bewerkstelligen, ist noch einmal etwas ganz anderes als mit einer etablierten Mannschaft. Bei den bisherigen Teams ist solch ein Roll-out zwar auch immer spannend, gehört aber schon zum Tagesgeschäft. Für Virgin Racing hatte das eine ganz andere Bedeutung. Es war das erste Mal. Es ist spätestens jetzt ein echtes Formel-1-Team mit einem eigenen, echten Formel-1-Auto.

Natürlich ist die Tatsache, dass wir unseren Wagen von den neuen Teams zuerst fertig haben ganz nett. Aber wichtig ist das nicht. Viel wichtiger war, dass wir endgültig den Beweis hatten, dass wir ein solches Auto tatsächlich pünktlich auf die Räder stellen können. Großes Kompliment an dieser Stelle an alle, die daran mitgewirkt haben. Jungs und Mädels: Ihr seid Helden!

Ich finde unser Auto nicht nur technisch faszinierend, sondern auch optisch extrem klasse. Die Linienführung ist sehr schnittig, die Farben super. Ich finde dieses Zusammenspiel von Rot und Schwarz hat etwas aggressives, aber ist gleichzeitig auch noch stilvoll. Vor allem die schwarzen Ornamente zum Beispiel auf dem Frontflügel geben dem Wagen eine ganz besondere Note. Das hat sonst keiner.

Ich habe mir überlegt, dass ich mit meinem Helm dem ganzen Farbspiel noch die Krone aufsetzen könnte. Wie ihr vielleicht auf den Fotos vom Shakedown in Silverstone bereits gesehen habt, sind meine Helmfarben ab diesem Jahr wieder anders. Der Wagen schwarz-rot, der Helm dazu in goldenem Grundton. Man kann dann wohl zumindest erahnen, wo ich herkomme...

Die gesamte Woche beim Team in Großbritannien hat viel Spaß gemacht. Alle sind total locker, entspannt und haben tollen Humor. Als bei der Autopräsentation im Internet nicht alles so glatt vonstatten ging, haben die Jungs zwar hart an einer Lösung des Problems gearbeitet und es auch schnell hinbekommen. Den Spaß hat dabei aber niemand verloren. Es war immer eine Portion Witz dabei. Cool, oder?

Auch im Regen von Silverstone ließ sich niemand die Stimmung vermiesen. Lucas und ich haben mit Sportwagen ein paar Drifts zur Unterhaltung auf den nassen Asphalt gelegt, unser Teamchef hatte immer wieder einen lockeren Spruch drauf, die Techniker mussten zwischendurch oft laut lachen. Das ist es, was solch ein Team ausmacht. Es wird geschuftet und malocht, aber gleichzeitig gelacht. Und deshalb fühle ich mich dort pudelwohl!

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