Timo Glock Tagebuch // Timo Glock berichtet in seinem Tagebuch von spanischen Wolken, heißen Ohren und indischen Freunden

Zurück zur Übersicht

Mittwoch, 17.02.2010 | 09:40

Wo ist die spanische Sonne?

Timo Glock berichtet in seinem Tagebuch von spanischen Wolken, heißen Ohren und indischen Freunden

Hallo aus Jerez! Wenn ich mich in den vergangenen Tagen hier in Andalusien umgeschaut habe, dann erinnerte mich das eher an die deutsche Nordseeküste im Herbst. Kühle Temperaturen, grau in grau und jede Menge Regenschauer. Mit südeuropäischem Klima hatte das hier wenig zu tun. Es war teils sogar schlimmeres Wetter als bei unserem Shakedown in Silverstone - und das will was heißen!

Einige Spanier haben mir erzählt, dass wir gerade den schlimmsten andalusischen Februar seit 50 Jahren erleben. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Vorstellen kann ich mir das aber. Was machen wir dann hier? Wir testen für die bald beginnende Saison. Für unser neues Team Virgin Racing wird es die allererste Formel-1-Saison. Umso wichtiger sind diese Tests für uns.

Leider lief bei uns nicht alles so rund, wie wir uns das erhofft hatten. Ich saß wegen einiger Probleme nicht allzu viel im Auto. Aber wir lassen uns davon garantiert nicht unterkriegen. Immerhin ist uns allen von vornherein klar gewesen, dass solche Probleme auftreten können. Ist doch gut, dass es jetzt passiert. Wie sagt man doch so schön: Geht die Generalprobe in die Hose, läuft die Premiere perfekt!

In den vergangenen Tagen habe ich die Kollegen im Team viel besser kennenlernen können. Wir haben zusammen viel gearbeitet, haben aber - trotz der Probleme - auch immer viel gelacht. Sogar als die Jungs eine Nachtschicht einlegen mussten, sorgte der typisch britische Humor oft für schallendes Lachen. Ich habe sofort erkannt, dass sogar müde Krieger strahlen können.

Ich selbst habe versucht, mich auf meine Art und Weise einzubringen. Ich habe die Leute motiviert, sie unterstützt und meine Ansichten beschrieben, wenn mein Rat gefragt war. Als mein Teamkollege Lucas di Grassi am Samstag endlich viele Runden fuhr, habe ich den Boxenfunk mitgehört, die Daten und auch von außen das Verhalten des Autos beobachtet. Da kann man auch recht gut einige Details erkennen.

Die abendlichen Besprechungen mit den Technikern fielen natürlich meistens recht kurz aus, weil es gar nicht so viel zu besprechen gab. Die Zeit habe ich am Abend noch für Training und ausgiebige Radtouren genutzt. Ich bleibe noch bis zum 20. Februar hier unten, werde also wohl noch einige entlegene Dörfer mit dem Rennrad erkunden.

Dieser Test hier in Spanien trägt übrigens gewissermaßen zur Völkerverständigung bei. Hier in Jerez teilen wir uns mit Force India eine Hospitality. Da trifft man regelmäßig mit Leuten aus einem anderen Team zusammen, man unterhält sich und es ist toll, dass man von deren Seite schon jetzt viel Respekt bekommt. Wir sind mit Virgin Racing zwar noch längst nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg. Das macht mich stolz!

Zurück zur Übersicht

Artikel bewerten

3.25

Timo Glock Tagebuch