Donnerstag, 18.03.2010 | 09:53
Bahrain war eine Reise wert
Timo Glock berichtet in seinem Tagebuch von sonnigen Tagen in der Wüste, einem Hummer in den Dünen und etwas Sand im Getriebe.
Endlich wird in der Formel 1 wieder um Punkte gekämpft. Wir alle haben einen langen Winter hinter uns. Entsprechend groß war die Freude, als es in Bahrain um die Wurst ging. Schade, dass wir aus unserem eigentlich guten Speed mit dem Virgin-Cosworth VR-01 nicht mehr machen konnten. Aber es ist bei einem neuen Team nun einmal so, dass man in mühevoller Arbeit erstmal die Standfestigkeit in den Griff bekommen muss. So weit sind wir im Moment noch nicht ganz.
Bis in Runde 16 mein Getriebe völlig den Geist aufgab, lief es aus meiner Sicht überraschend gut. Ich konnte Heikki Kovalainen locker stehen lassen, meinen Ex-Teamkollegen Jarno Trulli hatte ich die ganze Zeit im Griff. Es war toll, dass wir unseren wahren Speed mit vollem Tank mal zeigen konnten. Ich glaube, alle konnten sehen, dass wir in puncto Performance derzeit das beste der neuen Teams sind. An der Zuverlässigkeit arbeiten wir intensiv. Das bekommen wir sicher in den Griff.
Abseits der Rennstrecke gibt es in Bahrain wirklich nicht viel zu erleben. Wenn man außerhalb der Stadt ist, sieht man sowieso kaum etwas anderes als Sand. Immerhin kann man in diesem Sand aber viel Spaß haben. Ich durfte das am Mittwoch vor dem Rennen erleben. Da haben wir mit einem mächtigen Hummer eine launige Runde über den Offroad-Parcours gedreht. Solch ein Monster-Auto macht wirklich Laune, wäre aber wohl kaum das passende Fahrzeug für die tägliche Fahrt zum Bäcker - allein wegen des Spritverbrauchs.
Im Fahrerlager war die Stimmung ganz besonders. Das ist immer so beim ersten Rennen der Saison. Man freut sich, die Fahrerkollegen mal wieder zu treffen. Alle stellen sich zusammen zum "Formel-1-Mannschaftsfoto" auf, man plaudert über den zurückliegenden Winter und man merkt, dass alle voller Vorfreude sind. Außerdem gab es natürlich einige Medientermine zu erledigen. Einige von den Fernsehleuten hatte ich schon auf dem Hinflug getroffen.
Nach diesem Bahrain-Wochenende gibt es eigentlich kaum Zeit zum Durchatmen. Ich bin Anfang der Woche sofort nach Großbritannien geflogen. Am Dienstag und Mittwoch saß ich bei Virgin Racing bereits wieder im neuen Simulator. Das war ganz wichtig, denn die Eindrücke aus Bahrain waren noch frisch. Wir mussten sofort ein paar neue Ideen ausprobieren und wir haben auch schon mit der Vorbereitung auf Melbourne begonnen.
Unser neuer Simulator ist wirklich richtig gut. Aber trotzdem muss man auch wissen, wie man die Ergebnisse lesen muss. Ich bin da einer von der vorsichtigen Sorte. Das Problem ist, dass man neue Aerodynamikteile erstmal auf einer wohlbekannten Strecke simuliert, um gute Vergleichsmöglichkeiten zu haben. Die meisten Teams nutzen dafür die Strecke in Barcelona. Ob sich die Erkenntnisse daraus dann zum Beispiel auch in Melbourne genauso auf der Piste darstellen, ist eine andere Geschichte. Ich bin zuversichtlich, kann aber nichts versprechen.

